Grundsätz der BAG

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte – Grundsätze und Struktur

Stand: 09.11.2010

1. Präambel der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) ist ein fachlicher Zusammenschluss von Fußballfanprojekten in Deutschland, die präventive, aufsuchende und sozialpädagogische Arbeit mit jugendlichen und heranwachsenden Fußballfans leisten.

Die BAG ist sowohl ein Zusammenschluss als auch eine Interessenvertretung der MitarbeiterInnen der örtlichen Fanprojekte. Zielsetzung ist hierbei die Schaffung einer Gemeinschaft, die sich, über örtliche Einzelinteressen hinaus, auch auf regionaler und bundesweiter Ebene für die Belange seiner Mitglieder einsetzt und diese motiviert, sich, ganz im Sinne einer „kritischen Lobby“ für Fußballfans, auf allen Ebenen an relevanten Diskussionsprozessen zu beteiligen und sich dabei für die Förderung und den Erhalt von Fanszenen zu engagieren.

Die BAG versteht sich dabei nicht als statisches Konstrukt, sondern als lernendes System, welches seine Grundsätze stets überprüft und hinterfragt und sie bei Bedarf an gesellschaftliche Entwicklungen anpasst. Dies kann nur durch einen kontinuierlichen und kollegialen internen Diskussionsprozess sowie eine fachliche Einmischung in externe Fachdiskussionen erreicht werden. Hierfür schafft die BAG die notwendigen Rahmenbedingungen.

Die BAG ist ferner bestrebt, relevante Entscheidungen von bundesweiter Tragweite im Konsensprinzip zu treffen. Sie fördert bei ihren Mitgliedern einen Dialog und eine Streitkultur, die geprägt sind von gegenseitiger Wertschätzung und Kollegialität. Eine Kooperation einzelner Mitgliedsprojekte auf regionaler und bundesweiter Ebene, z.B. bei der Durchführung gemeinsamer Aktivitäten ist Ausdruck dieser Gemeinschaft und wird ausdrücklich angestrebt.

2. Grundsätze der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte

In der praktischen Arbeit, deren Grundlage das SGB VIII und das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“ (NKSS) sind, lassen sich die Fanprojekte, die innerhalb der BAG organisiert sind, u.a. von folgenden Grundsätzen leiten:

  1. Parteilichkeit für jugendliche Fans und ihre Interessen.
  2. Vermeidung von Ausgrenzung einzelner Fans oder Fangruppen – auch so genannter Problemgruppen.
  3. Schutz bzw. Förderung der jugendlichen Subkultur „Fanszene“ als wichtiger Bestandteil jugendlicher Sozialisation und Identitätsentwicklung.
  4. Gewährleistung des Austausches mit der Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS) auf allen Ebenen.

3. Organisationsstruktur der BAG Fanprojekte

a) Regionalverbünde (RV)

Die BAG ist derzeit in vier Regionalverbünde gegliedert (RV Nord, RV Ost, RV West, RV Süd), in denen regionalrelevante, fußballspezifische Themen und Angebote behandelt werden. Die Regionalverbünde führen regelmäßige Regionalverbundstreffen durch. Über diese Regionalverbundstreffen werden Protokolle angefertigt. Diese werden über die jeweiligen RV-SprecherInnen an die BAG-SprecherInnen, die KOS und alle Mitgliedsprojekte der BAG versandt. Jeder Regionalverbund wählt jeweils für die Dauer von zwei Jahren zwei RegionalverbundssprecherInnen und entsendet diese in den geschäftsführenden Arbeitskreis (GA) der BAG. Die RegionalverbundssprecherInnen sind ihren Verbünden rechenschaftspflichtig.

b) Geschäftsführender Arbeitskreis (GA) der BAG

Dem GA gehören die beiden BAG-SprecherInnen und die acht RV-SprecherInnen an. Der GA tagt mindestens 4 x jährlich. Zu den Treffen wird auch ein(e) VertreterIn der KOS eingeladen.

Der GA der BAG setzt sich mit aktuellen und bundesweit relevanten und fanspezifischen Themen auseinander, trägt Informationen zusammen und stimmt das gemeinsame Vorgehen und Reaktionen auf „Fanpolitik“ von Vereinen und anderen Institutionen ab. Werden Themenschwerpunkte herausgearbeitet, die für bestimmte Regionen oder bundesweit von besonderer Bedeutung sind, werden die SprecherInnen beauftragt, diese in Gesprächen mit den entsprechenden Ansprechpartnern (z.B. DFB/DFL) oder auf den Sitzungen des KOS-Beirates zu thematisieren bzw. die KOS zu beauftragen, diese Themen auf die Tagesordnung des „Nationalen Ausschusses Sport und Sicherheit“ (NASS) setzen zu lassen. Gleichfalls soll, bei entsprechend festgestelltem Bedarf, die KOS beauftragt werden, für die MitarbeiterInnen der Fanprojekte entsprechende Fortbildungen, Workshops, etc. anzubieten. Der GA unterstützt hierbei die KOS. Die Vorbereitung und Organisation der Jahrestagung der BAG, sowie die Planung von BAG-Veranstaltungen (z.B. das Fanfinale in Berlin anlässlich des DFB-Pokal-Endspiels) gehören ebenfalls zu den Aufgaben dieses Gremiums.

Zur Entlastung der BundessprecherInnen kann der GA in offener und transparenter Form MandatsträgerInnen als Experten / Expertinnen zu entsprechenden Themen benennen und zu den Sitzungen einladen. Die Sitzungen des GA sind grundsätzlich offen für alle interessierten Kolleginnen und Kollegen der Fanprojekte.

Der GA trifft seine Entscheidungen nach dem Konsensprinzip1. Wird kein Konsens erzielt, wird die Sachfrage zur Entscheidung in der darauf folgenden Sitzung wieder vorgelegt. Ist auch dann kein Konsens möglich, wird von den anwesenden Stimmberechtigten eine Entscheidung nach dem Mehrheitsprinzip herbeigeführt.

Der GA ist den Mitgliedern der BAG rechenschaftspflichtig.

c) SprecherInnen

Vertreten wird die BAG Fanprojekte durch zwei SprecherInnen. Die SprecherInnen werden von den BAG-Mitgliedsprojekten auf der Jahrestagung für die Dauer von zwei Jahren mit absoluter Mehrheit gewählt. Die Wiederwahl ist zulässig. Die SprecherInnen sind den Mitgliedern der BAG rechenschaftspflichtig.

Sie leisten in Absprache mit den RegionalverbundssprecherInnen und dem GA die Außendarstellung, Gremien- und Öffentlichkeitsarbeit der BAG.

Die SprecherInnen vertreten auch die Positionen und Forderungen der BAG gegenüber Politik, Sportverbänden, der KOS und weiteren relevanten Institutionen.

Bei den BAG-SprecherInnen muss es sich um hauptamtliche MitarbeiterInnen eines Fanprojektes² handeln. Voraussetzung ist mindestens eine 1/2 Stelle.

Die durchschnittliche Minimalarbeitszeit eines BAG-Sprechers / einer BAG-Sprecherin beträgt zehn Wochenstunden.

Die Sprecherkandidaten/-kandidatinnen müssen dem GA vor ihrer Wahl hierfür eine schriftliche Einverständniserklärung ihres Arbeitgebers / Trägers vorlegen.

Es ist keine Ämterhäufung innerhalb der BAG zulässig.

*Definition Konsensprinzip: Konsensentscheidungen verlangen keine offenkundige Zustimmung, aber offene Ablehnung. Alle GA-Mitglieder müssen einverstanden sein, oder bereit sein, ihre abweichende Meinung, bzw. ihre Bedenken gegen die zu treffende Entscheidung aufzugeben oder zurückzustellen. Sie tragen dann die Entscheidung trotz ihrer Bedenken mit.

²Fanprojekte mit mindestens zwei hauptamtlichen Mitarbeitern

d) Jahrestagung

Entscheidendes Gremium der BAG Fanprojekte ist die einmal jährlich stattfindende Jahrestagung der BAG-Mitglieder, auf der Formales, Konzeptionelles, Organisatorisches und Fanpolitisches der BAG diskutiert und entschieden wird.

Auf der Jahrestagung werden alle zwei Jahre die SprecherInnen gewählt. Bei Beschlussfassungen und Wahlen, die die BAG betreffen, verfügt jedes Mitgliedsprojekt über eine Stimme. Bei mehreren Fanprojekten an einem Standort stehen max. zwei Stimmen zur Verfügung.

Das Stimmrecht kann nur persönlich ausgeübt werden. Eine Übertragung der Stimme auf andere Fanprojekte ist nicht möglich. Beschlüsse werden durch einfache Stimmenmehrheit entschieden.

Auf der Jahrestagung wird über die Aufnahme neuer Mitglieder in die BAG entschieden. Die Jahrestagung ist grundsätzlich offen für Einzelpersonen, Initiativen sowie die interessierte Fachöffentlichkeit. Interne Diskussionen und Arbeitsgruppen werden in der Einladung entsprechend gekennzeichnet.

4. Mitgliedschaft in der BAG

a) Voraussetzungen

Die Fanprojekte der BAG arbeiten in Städten, in denen eine relevante jugendliche Fanszene anzutreffen ist. Als Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der BAG gelten die folgenden Arbeitsgrundsätze:

  • Fanprojekte arbeiten professionell, die MitarbeiterInnen sind hauptamtlich tätig.
  • Fanprojekte sind sozialarbeiterisch bzw. -pädagogisch ausgerichtet, sie verfügen über entsprechende Konzeptionen (vgl. Rahmenkonzept „Nationales Konzept Sport und Sicherheit“) und MitarbeiterInnen mit entsprechender Ausbildung oder Erfahrung.
  • Fanprojekte sind gegenüber den jeweiligen Fußballvereinen, derenGremien, den Organisationen von Fußballfans und dem/der DFB/DFL nicht weisungsgebunden.

In der Regel sind Fanprojekte in diesem Sinne Bestandteil kommunaler bzw. regionaler Jugend- und Sozialarbeit von Ländern und Gemeinden und als anerkannte Träger der Jugendhilfe dem SGB VIII §§ 11 und 13 verpflichtet.

b) Erwerb der Mitgliedschaft

Ein Fanprojekt, welches in die BAG aufgenommen werden möchte, muss dies schriftlich über die RegionalverbundssprecherInnen beim GA beantragen. Es ist hierbei auch ein Konzept vorzulegen, aus welchem hervorgeht, ob die drei Arbeitsgrundsätze der BAG erfüllt werden. Der GA legt das Konzept auf der Jahrestagung den Mitgliedsprojekten vor. Darüber hinaus stellt sich das beantragende Fanprojekt persönlich auf der Jahrestagung vor. Über die Aufnahme wird per Abstimmung durch die BAG-Mitglieder entschieden. Zur Aufnahme reicht eine einfache Mehrheit der Stimmen.

Zwischen zwei Jahrestagungen kann der jeweilige Regionalverbund auf Antrag über eine vorläufige Mitgliedschaft im Regionalverbund entscheiden.

c) Beendigung der Mitgliedschaft

  • Durch Austritt eines Fanprojektes.
  • Die Mitgliedschaft endet, wenn die vorgegebenen Kriterien nach einer Übergangszeit von einem Jahr nicht mehr erfüllt sind. Die Beschlussfassung erfolgt durch den GA.
  • Durch Ausschluss eines Fanprojektes. Verstößt ein Fanprojekt schwerwiegend oder dauerhaft gegen die BAG-Arbeitsgrundsätze, wird die Angelegenheit zuerst auf Regionalverbundsebene besprochen. Kann dort keine Einigung erzielt werden, bringen die betroffenen RegionalverbundssprecherInnen das Thema in den GA ein. Dem betroffenen Fanprojekt muss die Gelegenheit zu einer Stellungnahme gegeben werden. Sollte auch der GA zu keiner einvernehmlichen Lösung gelangen, so wird auf der folgenden Jahrestagung über den Ausschluss des betroffenen Fanprojektes beraten und abgestimmt. Für den Ausschluss eines Fanprojektes ist eine 2/3 Mehrheit der anwesenden Fanprojekte notwendig.

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