Wir haben in unserer Stellungnahme vom 17.11.2025 bereits unsere Haltung zu den in der Öffentlichkeit diskutierten Ansätzen erläutert.
Nach Verlautbarungen der Innenminister*innen der Länder hat sich die IMK darauf verständigt, die meisten der angedachten Maßnahmen nicht zu diskutieren und auch in nächster Zukunft nicht weiter zu verfolgen. Dies begrüßen wir und verdeutlicht: Die vielfältigen Protestaktionen in den Stadien und auf der Straße haben ihre Wirkung gezeigt und darauf aufmerksam gemacht, dass die Sicherheit in den Stadien in Deutschland nicht gefährdet ist. Dies belegen nicht zuletzt die Zahlen der ZIS (Zentrale Informationsstelle Sport der Polizei) sowie der Bundespolizei.
Die Änderungen der Stadionverbotsrichtlinien stehen aber weiterhin auf der Agenda, ebenso die Verschärfung in Bezug auf die Mindestdauer und das verpflichtende Aussprechen eines Stadionverbots bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Auch die Idee einer zentralen Stadionverbotskommission sowie die verschärfte strafrechtliche und verbandsrechtliche Verfolgung des Verwendens von pyrotechnischen Gegenständen werden weiter verfolgt, zumal diese Maßnahmen im Aufgabenbereich von DFB, DFL und den Ländern liegen, und somit auch ohne Beschluss der IMK umgesetzt werden können.
Dazu möchten wir hervorheben: Bundesweite Stadionverbote sind kein Mittel zur Verringerung der Polizeieinsatzstunden und tragen auch nicht per se zur Prävention bei.
Wir plädieren deshalb weiterhin dafür, die Expertise der sozialpädagogischen Fanprojekte und der Fans als Expert*innen der eigenen Lebenswelt einzubeziehen. Auch hier wünschen wir uns mehr fachlichen Austausch und Transparenz.
Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung: info@bag-fanprojekte.de
Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte zeigt sich enttäuscht über die Verurteilung der Mitarbeitenden des Fanprojektes Karlsruhe in ihrem Verfahren wegen Strafvereitelung.
„Dieses Urteil ist ein Schlag ins Gesicht unserer Kolleg*innen in Karlsruhe, für die Fußball-Fanprojekte und die gesamte Soziale Arbeit bundesweit“, bewertet BAG-Sprecherin Antje Hagel das Urteil.
Nachdem Mitarbeitende des Fanprojektes Karlsruhe zuletzt Strafbefehle über 120 Tagessätze á 60€ wegen Strafvereitelung bekamen, fand gestern die Verhandlung dazu statt.
Die Mitarbeitenden mussten sich bereits im Vorfeld mit einer angedrohten Beugehaft auseinandersetzen, da sie sich weigerten, eine Aussage bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zu leisten. Sie sollten sich zu Vorfällen anlässlich einer Pyro-Aktion im Karlsruher Stadion äußern. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass die Mitarbeitenden aus Gesprächen zwischen den Konfliktparteien Hintergründe erfahren hätten. Ziel dieser vertraulichen Gespräche war es, intensive Reflektionsprozesse zu begleiten, um so eine Aufarbeitung des Geschehens zu ermöglichen. Dennoch warf die Staatsanwaltschaft den Kolleg*innen Strafvereitelung vor.
Das gestrige Urteil reduziert zwar die Höhe der Tagessätze, bestätigt aber den Tatvorwurf und stellt eine Zäsur für die Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte sowie der gesamten Sozialen Arbeit dar. Wenn aus Sozialer Arbeit Straftaten konstruiert und diese verurteilt werden, dann wird der Sozialen Arbeit nachhaltig Schaden zugefügt!
Den Ausgang dieses Verfahrens sieht die BAG der Fanprojekte als Verpflichtung: „Der Fall Karlsruhe verdeutlicht die Notwendigkeit eines Zeugnisverweigerungsrechts für die Profession Soziale Arbeit. Den Reformbedarf des §53 StPO werden wir weiterhin unmissverständlich einfordern“, kündigt BAG-Sprecher Benjamin Belhadj an.
Die Soziale Arbeit hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten, nicht nur im Bereich der Fußball-Fanprojekte, stark weiterentwickelt. Vertraulichkeit, Parteilichkeit und Freiwilligkeit sind Grundpfeiler der Arbeit, die es zu schützen gilt, um weiterhin pädagogisch und präventiv dem gesetzlichen Auftrag nachkommen zu können. Nur mit der Möglichkeit, vertrauliche Gespräche mit Klient*innen zu schützen, ist eine nachhaltige Arbeit gegen Gewalt, Drogenmissbrauch und Diskriminierung denkbar.
Die BAG der Fanprojekte fordert daher nachdrücklich die Bundesregierung auf, sich diesem Thema noch in dieser Legislaturperiode anzunehmen und das Zeugnisverweigerungsrecht für die Soziale Arbeit gesetzlich zu verankern. Den nun verurteilten Kolleginnen und Kollegen in Karlsruhe wird versichert: „Die BAG der Fanprojekte steht geschlossen hinter euch, ein solcher Fall darf sich nicht wiederholen“, so Antje Hagel.
In einem Eineinhalbjährigen Prozess hat sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte eine neue Struktur gegeben.
Zunächst möchte sich die BAG auch öffentlich noch einmal ausdrücklich bei Sophia Gerschel und Christian Keppler sehr herzlich für die jahrelange Arbeit als Bundesprecherin und Bundessprecher für die BAG der Fanprojekte bedanken. Trotz der immer größer werdenden Aufgabenfülle und den Herausforderungen gelang es ihnen immer alle anstehenden Aufgaben zu meistern und höchst transparent ihre Funktion auszuüben.
Es wurde in der Vergangenheit immer schwieriger und komplexer, die Rolle der Bundessprecherin und des Bundessprechers der Bundesarbeitsgemeinschaft aus dem eigenen Fanprojekt neben der eigenen Fanprojektarbeit zusätzlich auszuüben, wodurch sich niemand 2023 zur Kandidatur für die beiden Positionen stellte.
Als es dann im März 2023 keine Wahl geben konnte, war allen Beteiligten klar, dass es eines Organisationsentwicklungsprozesses bedarf, um die vielfältigen Anforderungen nach Innen und Außen bewerkstelligen zu können. Die gewählten acht Regionalverbundsprecher*innen überbrückten mit großartiger Hilfe von Sophia Gerschel die Vakanz bis Ende Mai 2024.
Kern des Ergebnisses der Neustrukturierung ist eine breitere Aufgabenverteilung und ein vergrößertes Vertreter*innengremium, bestehend aus jeweils drei Regionalverbund-sprecher*innen und sechs Delegierte aus verschiedenen Fachbereichen. In den Verbünden Nord, Ost, Süd und West wurden dementsprechend im Mai 2024 jeweils drei Personen als Regionalverbundsprecher*innen gewählt, wobei eine Kolleg*in nun aus dem Verbund den Arbeitsschwerpunkt auf bundesweite Aufgaben richtet.
Jeder Verbund hat dafür gewählt mit folgendem Ergebnis:
Nordverbund:
Mattis Nüsse (Fanprojekt Wolfsburg) – bundesweite Aufgaben
Svenja Teebken (Fanprojekt Oldenburg)
Julian Nienstedt (Fanprojekt Bremen)
Ostverbund:
Stefan Roggenthin (Fanprojekt Magdeburg) – bundesweite Aufgaben
Ralf Busch (Fanprojekt Berlin)
Christian Kabs (Fanprojekt Dresden)
Westverbund:
Benjamin Belhadj (Fanprojekt Düsseldorf) – bundesweite Aufgaben
Stella Schrey (Fanprojekt Dortmund)
Florian Kovatsch (Fanprojekt Bochum)
Südverbund:
Antje Hagel (Fanprojekt Offenbach) – bundesweite Aufgaben
Simon Albrecht (Fanprojekt Freiburg)
Daniel Metz (Kickers Fanprojekt Stuttgart)
Die weiteren delegierten Personen werden sukzessive benannt und veröffentlicht.
Wir bedanken uns hiermit zudem sehr herzlich bei allen Beteiligten an dem Umstrukturierungsprozess und bei allen Kolleg*innen aus den 70 Fanprojekten in Deutschland für ihr Vertrauen.
Staatsanwaltschaft Karlsruhe lässt Verfahren nicht ruhen:
Strafvereitelung gegen Fanprojekt-Mitarbeiter*innen steht im Raum –
Zeugnisverweigerungsrecht für die Soziale Arbeit nötiger denn je!
Es dürfte ein trauriges Novum in der Bundesrepublik Deutschland sein: Im aktuellen Rechtsstreit zwischen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und dem dortigen Fanprojekt hat die Staatsanwaltschaft zwar nun doch keine Beugehaft gegen die Fanprojektler*innen beantragt, setzt die Kolleg*innen jedoch weiterhin unter Druck. Es wird geprüft, ob ein Verfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung eröffnet wird. Weil sie das besondere Vertrauensverhältnis zu ihrer Zielgruppe, wohl dem zentralen Grundpfeiler der Sozialen Arbeit, nicht auf das Spiel setzen können und wollen, sind hauptamtliche Mitarbeitende aus diesem Bereich weiterhin mit rechtlichen Konsequenzen bedroht. Und das nur, weil sie kein Zeugnisverweigerungsrecht besitzen.
„Es ist absurd, dass die Staatsanwaltschaft hier keine Ruhe geben will“, erklärt Matthias Stein, Sprecher des Bündnisses für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit (BfZ). „Nicht nur, weil Kolleg*innen persönlich betroffen sind. Sondern auch, weil hier offenkundig ein Exempel statuiert werden soll, dass die grundsätzlichen Errungenschaften der Sozialen Arbeit bundesweit massiv gefährden und zurückwerfen kann.“
Im Zuge ihrer Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Mitarbeitende des Fanprojekts als Zeug*innen vorgeladen. Diese standen somit vor einem unsagbaren Dilemma: Einblicke aus der Aufarbeitung, die ihnen unter dem Gesichtspunkt absoluter Vertraulichkeit im Rahmen ihrer Arbeit gewährt wurden, an Ermittlungsbehörden weiterzugeben, was vergleichbare Formate für die Zukunft wohl unmöglich gemacht hätte, oder zu schweigen. Als professionelle Mitarbeiter*innen der Sozialen Arbeit entschieden sie sich für Letzteres, um das Vertrauen, das ihnen ihre junge Zielgruppe entgegengebracht hatte, nicht zu gefährden. „Soziale Arbeit benötigt ein besonderes Vertrauensverhältnis, um ihren Auftrag erfüllen zu können“, unterstreicht Georg Grohmann, ebenfalls Sprecher des BfZ.
Ordnungsgelder waren zunächst die Folge, die Beugehaft stand sehr konkret im Raum. Hierauf verzichtete die Staatsanwaltschaft nun, prüft jedoch die Möglichkeit einer Anzeige wegen Strafvereitelung gegen die Mitarbeiter*innen: „Die Politik muss jetzt handeln! Der aktuelle Fall zeigt leider auf eine inzwischen dramatische Art und Weise, wie essenziell ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit ist. Das unterstreichen auch unsere verschiedenen Netzwerkpartner*innen und die Wissenschaft seit langem.“, so Georg Grohmann. „Wir Hauptamtlichen in der Sozialen Arbeit brauchen eine Möglichkeit, uns und die Professionalität unserer Arbeit zu schützen. Selbstverständlich fordern wir die Staatsanwaltschaft Karlsruhe auch auf, alles dafür zu tun, dass sich die Mitarbeitenden des Fanprojekts endlich wieder auf ihre Arbeit mit ihrer Zielgruppe konzentrieren können. Ein solcher Fall darf sich unter keinen Umständen wiederholen“, macht Matthias Stein abschließend deutlich.
Kontakt zu den Sprechern des BfZ:
Matthias Stein
ms@fanprojekt-jena.de
0173-3970701
Georg Grohmann
grohmann@bag-streetwork.de
0157-71418265
Als Arbeitskreis Stadionverbote und Repression der BAG-Fanprojekte erreichen uns seit Jahresbeginn 2023 zunehmend Berichte von polizeilichen Übergriffen und Drohungen gegenüber Mitarbeiter*innen der Fanprojekte, die nun mit den Ereignissen rund um das Fanprojekt Karlsruhe um einen neuen bitteren Höhepunkt reicher geworden sind.
Angedrohte Stürmung von Fanprojekt-Räumen, Abhörmaßnahmen, das gezielte Auslesen von Smartphones, auf denen sich auch Nachrichten mit Fanprojekten-Mitarbeiter*innen befinden oder körperliche Angriffe auf Mitarbeitende im Rahmen ihrer Arbeit, Personalienaufnahmen bei dienstlichen Gelegenheiten, aber auch eine zunehmende Anzahl an Vorladungen durch die Polizeien der Länder gehören nicht mehr nur an einzelnen Orten zum Alltag von Fanprojekten.
Wir nehmen diese Maßnahmen mehr und mehr als polizeiliche Eingriffe in die Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte wahr.
Da im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB Vlll) eine vertrauliche und anonyme Kontaktaufnahme zu sozialpädagogisch arbeitenden Institutionen garantiert ist und diese zudem auf freiwilliger Basis basiert, müssen wir feststellen, dass das aktuelle Verhalten der Polizeien der Länder und des Bundes unseren Auftrag maßgeblich torpediert und womöglich nachhaltig schadet:
Wieso sollten sich betroffene Fans mit uns in Verbindung setzen, wenn Vertraulichkeit als Basis für das in uns gesetzte weitergehende Vertrauen nicht gewährleistet werden kann? Wie sollten Fanprojekte Angebote aus dem Kontext des Täter-Opfer-Ausgleichs unterbreiten, die dann wiederum aus Smartphones ausgelesen werden? Wieso sollten Fanprojekte die Anreise zu Auswärtsspielen begleiten, wenn bei Regelverletzungen der Fans (und diese streiten wir keines Wegs ab) der Einfachheit halber zunächst mal die Mitarbeitenden vorgeladen werden?
Wir sind keine Gehilf*innen der Polizeien, sondern Sozialarbeiter*innen im Auftrag der Kommunen, der Länder und des Fußballs.
Wir bieten jugendlichen und jungen Erwachsenen Fans Unterstützung und Begleitung an. Wir haben eigene Räume und leisten aufsuchende soziale Arbeit im Kontext Fußball. Wir sind qualifizierte und professionelle Fachkräfte der sozialen Arbeit. Wir sind nah an der Lebenswelt Fußball und bewegen uns in einem komplexen Netzwerk vieler verschiedener Institutionen.
Wir fordern deshalb das Zeugnisverweigerungsrecht auch für die Soziale Arbeit.
Der Arbeitskreis Stadionverbote & Repressionen ist ein Zusammenschluss aus Kolleg*innen der sozialpädagogischen Fanprojekte mit besonderer Expertise in den besagten Themen. Neben der Schulung für Fanprojekt-Mitarbeiter*innen, kollegialer Beratung von Fanprojekten und gelegentlich auch bei Vereinen entsteht ein guter Überblick über aktuelle Entwicklungen. Der Arbeitskreis entsendet für die BAG Fanprojekte eine Vertretung in den Expertenrat Stadionverbote des DFB.
„Folgend möchten wir eine Einordnung der Geschehnisse in Wolfsburg aus der Sicht der Mitarbeitenden des Fan-Projekts Bremen e.V. geben. Über die Maßnahmen am Wolfsburger Hauptbahnhof wurde schon von der Grün-Weißen Hilfe, von Werder Bremen und der regionalen und überregionalen Presse berichtet. Nach unseren Beobachtungen vor Ort stellen auch wir uns die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.“ […]
fanprojektbremen.de/stellungnahme (Download – PDF Format)

Tief erschüttert trauern wir um Olaf “Ole” Wolff.
Unser langjähriger Mitarbeiter, Kollege und Freund Ole ist tot. Er hat seinen langen und von vielen Rückschlägen geprägten Kampf gegen die Krankheit verloren.
Die Mitarbeiter*innen und der Vorstand des Fan-Projekts Bielefeld verlieren eine zentrale Persönlichkeit des Fan-Projekts und jemanden, der unser Wirken mehr als 21 Jahre entscheidend mitgeprägt hat.
Das Fan-Projekt und die Fanszene Arminias verlieren zudem einen engagierten Kämpfer für Fan-Interessen. Und auch der DSC, dessen Stärke in großem Maße in den treibenden Kräften seines Umfelds liegt, verliert eine ebensolche Kraft.
Wir sind unendlich traurig und können uns kaum vorstellen, wie das Fan-Projekt Bielefeld in Zukunft ohne Ole sein wird.
Im Jahr 2001 kam Ole Wolff als Sozialarbeiter zum Fan-Projekt. Nicht wenige Fans werden da gedacht haben: “Oha, wen hat das FP uns denn da hingestellt?”. Legendär ist beispielsweise das Foto in der Fan-Post, mit dem er seinerzeit vorgestellt wurde (kann auf Wunsch im FP angeschaut werden).
Schnell wurde aber deutlich, welche Rolle Ole beim Fan-Projekt einnehmen würde und mit welcher Ernsthaftigkeit, welchem Engagement und wieviel Herzblut er für seine Arbeit und die Fans eintreten würde. Gleich im ersten Jahr führte ihn sein Weg auf eine nicht einfache Mission: Wir besuchten die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Majdanek und pflegten den Kontakt zu Fans des polnischen Vereins Resovia aus Bielefelds Partnerstadt Rzeszow. Eine Mischung aus Freizeit- und Bildungsangeboten, wie sie auch in den Folgejahren immer wieder einen Arbeitsschwerpunkt bildete. Noch im Jahre 2019 besuchte er mit einer Gruppe Ultras die Gedenkstätten Dachau und Theresienstadt; die letzte Reise dieser Art für ihn.
Auch in der regionalen Erinnerungsarbeit hat Ole deutliche Spuren hinterlassen. So war er eine der treibenden Kräfte der “Julius Hesse AG” des DSC und hat am Themenrundgang “Spurensuche – Arminia und der Nationalsozialismus” mitgewirkt.
Allerdings waren es nicht nur die schweren Themen, die Ole Wolffs Wirken und seinen Wert für uns bestimmt haben: Sein besonderer Humor, seine Diskussionsfreude und nicht zuletzt die Begeisterung für „seine“ Musik zeichneten ihn aus. Insbesondere letztere dürfte ihn bei ungezählten Auswärtsfahrten bis an die Grenzen seiner musikalischen Toleranz gebracht haben: Schlager, Onkelz, Eurodance, HipHop, alles meist nicht so sein Ding. Dennoch hat er in Bussen oder Zügen geduldig den Musikgeschmack der jeweiligen Fangeneration ertragen und sich für die Fans und ihre Interessen, auch gegen ordnungsbehördliche Widerstände, in die Bresche geworfen.
DSC Fans ab Geburtsjahr 1985 kennen Ole vielleicht als Begleiter am Mikrofon von U18-Bussen. Keine Fahrt mit ihm, ohne humorige Lautsprecherdurchsagen zum Quiz oder die gefürchtete Aufforderung zum Aufräumen des Busses. Solche Ansagen gab es natürlich auch bei den vielen Fan-Finals, die er begleitet hat. Dann allerdings mehr als Aufforderung zur Ruhe und dies in den frühen Morgenstunden. Doch auch hier meist mit Humor und Wohlwollen.
Auch im überregionalen Netzwerk der Fanprojekte hat er mit großem Engagement und mit Nachdruck gearbeitet. Hier kam ihm der fachliche Austausch manchmal zu kurz, ein guter Grund, um als Sprecher der nordrheinwestfälischen Fanprojekte aktiv zu werden und den Diskurs anzukurbeln. Eine Aufgabe, die er viele Jahre gerne übernommen hat, dabei hat er auch die Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW mitgegründet. Diese ist heute eine wichtige landesweite Interessenvertretung, auch für die Anliegen von Fußballfans.
Zudem hat Ole Wolff das Fan-Projekt-Programm zu Europa- und Weltmeisterschaften der vergangenen zwei Jahrzehnte mitbestimmt und mit geprägt. Hat mit Fans an portugiesischen Stränden gefeiert (EM 04) oder für sie im Jugendzentrum die Leinwand gespannt und den Grill angefeuert. Zur kommenden WM hätte er allerdings sicher nichts gemacht, sondern zu ihrem Boykott aufgerufen.
Der vielleicht größte Verlust tut sich jedoch in der täglichen Arbeit des Fan-Projekts Bielefeld auf. Die für unsere Arbeit so wichtige Analyse der Vorgänge rund um Arminias Fangeschehen bereicherte Ole treffsicherer als jeder Torjäger des DSC.
Er hatte zudem immer ein offenes Ohr für die Probleme und Anliegen der Fans. Durch sein Engagement und seine Lobbyarbeit leistete er einen unschätzbaren Beitrag für die Fankultur in Bielefeld und hat darüber hinaus viele angehende und junge Sozialarbeiter*innen in diesem Arbeitsfeld geprägt.
Die Lücke, die sein Tod hinterlässt, ist nicht zu füllen. Ole Wolff hat im besten Sinne der Fans und des Fan-Projekts das Leitmotiv des DSC für ihre Anliegen verkörpert: stur, hartnäckig und kämpferisch!
Er wird uns unglaublich fehlen.
fanprojektbielefeld.de/wir-trauern/
Positionspapier: Umgehend strengere Regulierung von Sportwetten
Mit einem Umsatz von ca. 9 Mrd. € pro Jahr bewegt die Sportwetten-Branche alleine in Deutschland astronomische Summen. Alle wissen es: Sportwetten bieten enormes Sucht- und Gefährdungspotenzial. Der Fußball-Betrieb profitiert durch Kooperations- und Sponsoring-Verträge mit Sportwetten-Anbietern, ohne seiner gesellschaftlichen Verantwortung ausreichend gerecht zu werden. Die Akteure im Fußball haben viel zu sehr den Profit im Blick. Das muss sich dringend ändern, denn Studien und Repräsentativerhebungen zeigen:
- In Deutschland sind ca. 500.000 Menschen spielsüchtig oder weisen problematisches
Glücksspielverhalten auf. Sportwetten haben daran einen bedeutenden Anteil, Tendenz steigend.
- Pro glücksspielsüchtige Person sind bis zu 15 weitere Menschen des persönlichen Umfelds betroffen und leiden unter den negativen psychosozialen und finanziellen Auswirkungen.
- Trotz Verboten stellen Glücksspiele für die über 9 Mio. Jugendlichen in Deutschland einen integralen Bestandteil ihrer Lebenswirklichkeit dar. So weist die Mehrheit der Minderjährigen Glücksspielerfahrungen auf, etwa ein Drittel hat in den letzten 12 Monaten gezockt.
- Schon 2016 stammte jeder fünfte Euro der Einnahmen im Bereich der Sport- und Pferdewetten von süchtigen Spielenden. Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen aufgrund der Marktentwicklung heute deutlich höher sind.
- Im Fußball weisen etwa 10% der Profi- bzw. Breitensportler*innen problematisches Spielverhalten im Zusammenhang mit Glücksspiel, besonders mit Sportwetten, auf. Wir fordern die Politik auf, Werbung für Sportwetten im öffentlichen Raum umgehend stärker zu reglementieren sowie intensive Aufklärung und Prävention zu betreiben. Von Fußballverbänden und –vereinen fordern wir einen Verzicht auf Kooperationen und Sponsoring-Verträge mit Sportwetten- Anbietern. Bei noch bestehenden Verträgen fordern wir Einschränkungen bei der Sichtbarkeit von Werbung für Sportwetten sowie eine finanzielle Beteiligung an unabhängiger Aufklärungs- und Präventionsarbeit. […]
Gesamtes Positionspapier: Unsere-Kurve.de
Unter dem Titel „Fußball ist immer noch wichtig – Bewegte Zeiten für die Fansozialarbeit“ fand vom 7. bis 9. September die 27. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in Mainz statt. Nach mehr als zweieinhalb Jahren war es die erste Fachtagung der bundesweit organisierten Fanprojekte, die wieder stattfinden konnte.
Neben Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, nahmen Fachkräfte aus den Fanprojekten und weitere geladene Gäste aus den Bereichen Fanorganisationen, Fußball, Politik oder auch der Polizei an der Eröffnungsveranstaltung teil. Das Podiumsgespräch zum Tagungsthema machte deutlich, welchen Herausforderungen sich Jugendliche und junge Heranwachsende Fußballfans stellen müssen. So berichtete die Präsidentin der Psychotherapeut*innen-Kammer Rheinland-Pfalz, Sabine Maur, dass während der Kontaktbeschränkungen für Jugendliche und junge Erwachsene Prozesse, die in der Jugend prägend sind und identitätsbildende Erfahrungen einfach wegfielen. Nachteile durch die Pandemie hätten vor allem finanziell schlechter Gestellte und Jugendliche, die über wenig Ressourcen verfügen, erfahren. Dies äußerte sich durch ein höheres Aufkommen an depressiven Stimmungen und Essstörungen und auch der Medienkonsum stieg bei 14- bis 23jährigen stark an. Hierauf habe die Politik zu wenig geachtet. Viele hätten die Anpassungsleistungen, die die Pandemie erforderte, nicht leisten können.
Auch für die Fanprojekte war eine schnelle Anpassung an die neue Situation unausweichlich. Alle Teilnehmer*innen haben auf die verschiedenen Herausforderungen für Fans, Fanarbeit, Hilfebedürftige und Systeme hingewiesen. Die sozialpädagogische Fanarbeit, die normalerweise von Begegnung und persönlichen Kontakten lebt, musste in kurzer Zeit Wege finden, Fußballfans und deren Anliegen neu, aber ohne direkte Nähe, zu begleiten und zu unterstützen. Jana Spengler, Leiterin des Fanprojekt Darmstadt, betont in diesem Zusammenhang: „Die grundsätzliche Flexibilität der Fanprojekte und ihrer pädagogischen Arbeit machten Angebote und Unterstützung für Fußballfans in diesen Zeiten und auch zukünftig möglich.“ Die Orientierung der Fanprojekte an den Bedürfnissen junger Menschen hat und wird auch weiterhin dazu beitragen, die Interessen der Fußballfans in den neuen Rahmenbedingungen wahrzunehmen und zu begleiten, gemeinsam im Netzwerk zu diskutieren und letztendlich auch die eigenen Arbeitsansätze und Methoden weiterzuentwickeln.
Auf der dreitägigen Jahrestagung haben die Mitarbeiter*innen der Fanprojekte die Arbeit in den zurückliegenden Monaten und Jahren u.a. in zehn Workshops reflektiert und über zukünftige Herausforderungen gesprochen. Die Tagung endete am dritten Tag mit der Mitgliederversammlung, in der Sophia Gerschel (Fanprojekt Karlsruhe) und Christian Keppler (Fanprojekt Jena) erneut das Vertrauen als Bundessprecher*in für ihre nun dritte Amtsperiode erhielten.
Die Tagung hat deutlich gezeigt: Ja, der Fußball ist immer noch wichtig und die Soziale Arbeit mit Fußballfans damit auch! Nicht nur während der Pandemie hat sich die Arbeit der Fanprojekte auf neue Gegebenheiten eingestellt und bewährt. Ein wichtiger Erfolgsfaktor bleibt damit das langfristige, stabile und Spielklassen unabhängige Bekenntnis aller Förderer zur weltweit einmaligen Idee „Fanprojekte nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“.
Sophia Gerschel/Christian Keppler
BAG Sprecher*innen

Am vergangenen Montag haben wir in einer ersten Stellungnahme die Aufarbeitung der Ereignisse rund um das Spiel der SG Dynamo Dresden gegen Türkgücü München vom 16.05.2021 angekündigt. Die Hintergründe der Eskalationen sind vielfältig. Die folgenden Ausführungen stellen für uns keine abschließende Bewertung dar, sondern sollen vielmehr Ausgangspunkt für weitere Analysen gemeinsam mit verschiedenen relevanten Akteuren, z.B. Verein, Fans, Polizei und Stadt, dienen.
fanprojekt-dresden.de/stellungnahme