02.08.2017 Alter: 15 Tage

Fanprojekt Paderborn - Mehr als nur ein Spiel (PFiFF Abschlussveranstaltung)

Fußball war auch in der NS-Zeit ein großes gesellschaftliches Ereignis. Wie die Nationalsozialisten den Fußball für ihre Zwecke nutzten, ist Thema eines neuen Bildungsprogramms in der Erinnerungs- und Gedenkstätte 1933-1945 Wewelsburg. Angesprochen werden sollen Fans und Fußballinteressierte aus ganz Deutschland. Jetzt wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Idee kam Angelina Bracht, Mitarbeiterin beim Fanprojekt Paderborn, in der Fußballsaison 15/16, als der SC Paderborn 07 in der 2. Bundesliga kickte. Sie besuchte mit Fans des SCP die Erinnerungs- und Gedenkstätte. Über Fußball fanden die Fans damals nichts in der Ausstellung. Vor allem aber die Geschichte ihres Lieblingsvereins interessierte sie. Warum nicht dieses Interesse bedienen und auf diese Weise eher museumsferne Gruppen in die Erinnerungs- und Gedenkstätte holen?

Als das Projekt mit dem Titel „Fußball im Nationalsozialismus – Mehr als nur ein Spiel“ jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, erinnerte die Sozialarbeiterin an diese Anfänge. Sie betonte dabei die Offenheit vieler Partner in der Erinnerungs- und Gedenkstätte, beim Kreis Paderborn und beim Caritasverband Paderborn: „Ohne diese Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen, wäre aus dem Projekt nichts geworden.“

Auf Interesse stieß die Fanprojekt-Mitarbeiterin bei der Deutschen Fußball Liga (DFL). Der Ligaverband hatte 2014 einen Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur, kurz „PFiFF“ gegründet. PFiFF fördert einzelne Projekt mit maximal 50000 Euro je Saison, darunter auch das Projekt aus Wewelsburg.

Mit diesen Mitteln machte sich ein dreiköpfiges Projektteam an eine Bestandserhebung und Aufarbeitung des vorhandenen Materials. Die Museumspädagogen Jens Hecker und Volker Kohlschmidt vom Kreismuseum Wewelsburg und die Diplom-Sozialarbeiter und Sozialpädagogin Angelina Bracht konnten dabei auf gute Kontakte zu anderen Fanprojekten und Fanbeauftragten, Erinnerungs- und Gedenkstätten, Fußballmusseen und Archiven bauen. Fußballhistoriker und Buchautoren meldeten sich. Das Projektteam besuchte Ausstellungen, Tagungen und Vorträge. Auch die lokale Fanszene wurde in die Arbeit einbezogen.

Auf diese Weise ist ein Bildungsangebot für Fußballfans, Ultras und Fanklubs, Vereine, Schulen und Institutionen entstanden. Angeboten werden ein zweieinhalbstündiger Themenrundgang und ein Studientag, die speziell auf die Heimat- oder Lieblingsvereine der Teilnehmer ausgerichtet werden können.

Die neuen Themen ergänzen die Dauerausstellung in der Erinnerung- und Gedenkstätte und knüpfen an die bestehenden Inhalte an, in dem sie Bezüge und Übergänge zwischen Gesellschaft und Fußball aufzeigen. Das wird auf den Rollups deutlich, die das Projektteam ausarbeitete.

„Fußball ist keine Parallelwelt, sondern Teil der Gesellschaft“, betonte Landrat Manfred Müller während der Veranstaltung. Den Machern des neuen Bildungsprogramms ist gelungen, dies mit einem Beispiel aus der Region zu belegen. 1934 gründete sich in Paderborn der jüdische Fußballverein „Sportgruppe 100“ der „Schild Paderborn“ der in der Folgezeit mit zahlreichen Repressionen kämpfen musste. Die Biographie eines „Schild-Spielers“, Dagobert Schönwald, wird exemplarisch erwähnt. Der Spieler und Schiedsrichter wurde nach Riga deportiert und dort ermordet.

Niemand, der verantwortungsvoll handelt, kann sich hinter einem gewalttätigen Regime verstecken oder in der Anonymität einer Gruppe verstecken. In diesem Punkt liegt die aktuelle Bedeutung von „Fußball im Nationalsozialismus“. Dass der Eröffnungsabend mit einem Auftritt der „Wilden Bühne“ aus Bremen und dem Stück „Wir gegen die anderen“ über eine fiktive Ultragruppe endete, legte den Zusammenhang zwischen Geschichte und Gegenwart bloß. „Der Fußball war in der NS-Zeit gleichgeschaltet“, sagte Landrat Manfred Müller, „aber es gibt immer Handlungsspielräume, die man nutzen kann.“

Fanprojekt Paderborn
fanprojekt-paderborn.de



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