Stellungnahmen

PM: Die Stadien sind sicher und die Fans zeigen eine große Verantwortung!

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) beobachtet die Diskussion um die Stadionsicherheit seit geraumer Zeit und sieht sich gezwungen, die aktuellen Verlautbarungen und Vorhaben einzuordnen und zu kommentieren.

Erstens: wir halten die am 18. Oktober 2024 geäußerte Grundannahme, dass die Sicherheit in den Fußballstadien nicht ausreichend gewährleistet ist, für falsch:
Die in den vergangenen drei Jahren stark steigenden Zuschauer*innenzahlen dokumentieren, dass sehr viele Menschen ohne Angst in die Stadien strömen. Auch die Zunahme bei den jüngeren Altersgruppen spricht dafür. Die von der Deutschen Fußballliga (DFL) in Auftrag gegebene Umfrage belegt ebenso, dass sich über 90% der Stadionbesucher*innen sicher fühlen. Zudem zeigen die aktuellen Polizeistatistiken (ZIS Bericht Oktober 2025), dass trotz steigender Zuschauerzahlen die Gewalttaten und Verletztenzahlen beim Fußball abnehmen und sogar weniger Polizeibeamte eingesetzt werden mussten. Folglich sind die Fußballstadien in Deutschland sicher!

Zweitens finden wir es problematisch, dass die Innenminister- und Sportministerkonferenzen das für die angesprochenen Themen zuständige Gremium (NASS), in dem sie jeweils mit Sitz und Stimme vertreten sind, umgehen und in einer Parallelstruktur (BloAG) intransparent Dinge erarbeiten, die originär im Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit (NASS) behandelt werden müssen. Der NASS wurde vor über 30 Jahren eingerichtet, um die Stadien sicherer und vielfältiger zu machen. Die BAG der Fanprojekte ist ein beratendes Mitglied. Die Entwicklung rund um die Fußballstadien zeigt, dass diese Arbeit auf breiter Front erfolgreich ist.

Die angedachten Maßnahmen ignorieren die Erfolge der letzten drei Jahrzehnte!

Drittens ist es fragwürdig, dass zum wiederholten Mal die Fans als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt nicht miteinbezogen wurden. Auch wenn diese seit vielen Jahren konstruktiv an den Themen (u.a. Stadionverbote, Pyrotechnik) arbeiten, wird auf deren Expertise verzichtet, obwohl deren Einbindung auf der Pressekonferenz des Sicherheitsgipfels am 18.10.2024 angekündigt wurde.

Fans sind sich ihrer Verantwortung für alle im Stadion bewusst und sie tun alles, um die nicht organisierten Zuschauer*innen mitzunehmen. Flugblätter, selbst gefertigte Spieltagshefte und Fanzines gibt es in fast jedem Stadion. Club-Fan-Dialog-Formate sind in den ersten drei Ligen Pflichtaufgabe der Vereine und werden dort, wo sie einladend gestaltet werden, gerne angenommen. Die Verbände haben ihre eigenen Dialog-Formate und arbeiten daran, diese stetig zu verbessern. Es gibt die Kommission Fans und Fankulturen im DFB, in der von den Fanorganisationen engagiert diskutiert und gestritten wird, immer darum bemüht, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Auch die BAG der Fanprojekte ist Teil der oben genannten Kommission und steht seit Jahrzehnten für Dialog und Erfahrungswissen.

Mit der Demonstration unter dem Motto „Der Fußball ist sicher!“ am 16.11.2025 in Leipzig, zu der innerhalb von wenigen Tagen eine fünfstellige Zahl an Teilnehmenden aus ganz Deutschland mobilisiert wurde, setzten die Fanszenen ein starkes Zeichen für ein sicheres Stadionerlebnis und ihre Fankultur und brachten ihre Anliegen für Fan- und Bürgerrechte demokratisch auf die Straße.

Wir begrüßen die Forderungen der Fans nach Versachlichung der Debatte und plädieren dafür, dass die Diskussion da geführt wird, wo sie hingehört. Automatische bundesweite Stadionverbote bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens und personalisierte Eintrittskarten tragen nicht zur Verringerung der Polizeieinsatzstunden bei.

Kontakt für Rückfragen: info@bag-fanprojekte.de


PM: Einstellung des Verfahrens gegen Mitarbeitende des Fanprojekts Karlsruhe gegen Geldauflage – BAG fordert weiterhin zeitgemäße gesetzliche Regelung

Die BAG der Fanprojekte nimmt die Einstellung des Berufungsverfahrens gegen die Mitarbeitenden des Fanprojekts Karlsruhe gemäß §153a Abs. 2 StPO kritisch zur Kenntnis.
Die Einstellung gegen Geldauflage beendet zwar das laufende Verfahren ohne Urteil und Strafe, lässt jedoch zentrale Fragen für die Soziale Arbeit und insbesondere für die Fanarbeit unbeantwortet.

Wie uns die zahlreich – aus der ganzen Republik – angereisten Kolleg*innen in Gesprächen an diesem Tag bestätigten, ändert sich mit dem Ausgang des Verfahrens nichts an ihren Unsicherheiten und der unklaren Rechtslage, die damit verbunden ist!
Die Befürchtungen bleiben bestehen, in einem ähnlichen Fall selbst ins Visier der Strafverfolgungsbehörden zu geraten.

Die Mitarbeitenden des Fanprojekts Karlsruhe wurden in erster Instanz wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt, weil sie im Sinne ihres sozialpädagogischen Auftrags die Verschwiegenheit gewahrt haben. Die Einstellung des Verfahrens bedeutet für die Betroffenen zwar eine erhebliche finanzielle Last, aber auch eine psychische Entlastung nicht mehr auf der Anklagebank sitzen zu müssen, und für die Bundespolitik einen klaren Auftrag!

Die BAG fordert weiterhin ein ausdrücklich gesetzlich verankertes Zeugnisverweigerungsrecht für die Soziale Arbeit. Solange dieses fehlt, sind Fachkräfte in Fanprojekten und sonstigen Bereichen der Sozialen Arbeit weiterhin dem Risiko rechtlicher Verfolgung ausgesetzt, wenn sie das für erfolgreiche Präventionsarbeit nötige Vertrauen schützen.

Stefan Roggenthin, Sprecher der BAG, sagt dazu: „Die BAG dankt allen Unterstützenden, insbesondere den Fanszenen, die sich in den Stadien solidarisch gezeigt haben. Wir stehen weiterhin an der Seite von Sophia, Volker und Stan und fordern die Politik mit Nachdruck auf, zeitgemäße rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“


PM: Berufungsverhandlungen im Fall des Fanprojekts Karlsruhe – BAG der Fanprojekte zeigt sich solidarisch

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) begleitet mit großer Aufmerksamkeit die bevorstehenden Berufungsverhandlungen im Fall des Fanprojekts Karlsruhe. Als bundesweiter Zusammenschluss von über 70 sozialpädagogischen Fanprojekten sehen wir mit Sorge auf die rechtliche und politische Auseinandersetzung, die erhebliche Auswirkungen auf die professionelle Fanarbeit in Deutschland haben kann.

Das Fanprojekt Karlsruhe leistet seit Jahren engagierte, qualifizierte und unverzichtbare Arbeit an der Schnittstelle zwischen Fußball, Fanszene und Gesellschaft. Ziel ist dabei stets die Förderung von sozialer Integration, Partizipation und Gewaltprävention im Umfeld des Fußballs. Diese Arbeit stützt sich auf die Grundsätze des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit (NKSS) und des Sozialgesetzbuch VIII (SGB). Sie wird von allen relevanten Partnern im Fußball getragen.

Die Berufungsverhandlungen betreffen nicht nur das Fanprojekt in Karlsruhe, sondern stellen auch ein wichtiges Signal für die Zukunft sozialpädagogischer Fanarbeit insgesamt dar. Dass dem so ist, zeigen auch die zahlreichen Solidaritätsbekundungen der Fanszenen in den Stadien an den letzten Spieltagen.

Die BAG der Fanprojekte betont daher:

• Fanprojekte sind ein Bestandteil der Sozialen Arbeit und genießen bundesweite Anerkennung.

• ⁠Die Arbeit der Fanprojekte ist unabhängig, kritisch-parteilich an den Interessen junger Menschen orientiert und für ein gelingendes Miteinander im Fußball unverzichtbar.

• ⁠Rechtliche und politische Auseinandersetzungen dürfen nicht auf dem Rücken der jungen Menschen und der professionellen Arbeit ausgetragen werden.

Antje Hagel, Sprecherin der BAG, sagt dazu: “Wir solidarisieren uns ausdrücklich mit unseren Kolleg*innen, Sophia, Volker und Stan und fordern alle Beteiligten auf, die besondere Bedeutung der Fansozialarbeit zu berücksichtigen.“


Stellenausschreibung: Karlsruhe

Der Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe sucht Dich als Sozialpädagog*in für das Fanprojekt Karlsruhe zum 1. Februar 2026 in Teilzeit (75 %).

Die Stelle ist bewertet nach Entgeltgruppe S 12 TVöD-SuE und befristet bis zum 29. Februar 2028 zu besetzen. Eine darüber hinausgehende Beschäftigung wird angestrebt. Das Team des Fanprojekts Karlsruhe arbeitet mit jugendlichen und heranwachsenden Fußballfans im Alter von 14 bis 27 Jahren. Zentrale Arbeitsfelder sind die Krisenintervention und Beratung von Fans in akuten Problemlagen, sowie eine ausgeprägte Vernetzungsarbeit mit allen beteiligten Institutionen im Umfeld des Fußballgeschehens des KSC.

Bewirb dich hier beim Jobportal der Stadt Karlsruhe.


BAG der Fanprojekte begrüßte auf Fachtag die Mittelerhöhung für Soziale Arbeit mit Fußballfans

Am 11. und 12. September fand das „Trägertreffen“ der Fußballverbände DFB und DFL sowie der Koordinationsstelle Fanprojekte im DFB-Campus in Frankfurt am Main statt.

Rund fünfzig Fanprojekt-Leitungen und ihre Vorgesetzten der jeweiligen sozialen Träger nahmen an den Gesprächen mit Verbandsvertreter*innen über drängende Fragen der Sozialen Arbeit der Fanprojekte teil.

Alle Begrüßungsstatements der Vertreter*innen vom Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Fußball-Liga und der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) würdigten die hohe Qualität dieser Arbeit.

Steffen Simon (DFB) hob das ungebrochene Interesse des Fußballs an der Arbeit der Fanprojekte hervor, der jüngst die Förderung der Fanprojekte erhöhte. Nun müsste die öffentliche Hand folgen, damit sich die „Deckelerhöhung“ auch auszahle. Dem schloss sich Ansgar Schwenken von der DFL vollumfänglich an. KOS-Leiter Michael Gabriel bestätigte, dass die Wertschätzung der Fachwelt angesichts der Wirksamkeit der Sozialen Arbeit mit Fußballfans sehr hoch sei. Auch wurde der zuweilen geäußerten Gefährlichkeit des Stadionerlebnisses widersprochen: Vorfälle würden sich angesichts der Masse an Zuschauenden als äußerst gering darstellen. Dies sei vor allem auch die Wirkung guter Präventionsarbeit. Mit Blick auf die Forderung aus der Innenpolitik nach einer Zentralen Stadionverbotskommission waren sich die Teilnehmenden einig, dass diese Forderung nicht zielführend sei, da an den einzelnen Standorten hoch wirksame Gremien zur Anhörung von Betroffenen arbeiten.

Steffen Kröner von der Outlaw Kinder- und Jugendhilfe berichtet als Sprecher der Trägervertretung über die Notwendigkeit des noch relativ jungen Zusammenschlusses der Fanprojektträger. So seien z.B. die Erhöhung der Förderung von Fanprojekten und arbeitsrechtliche Fragen bestimmende Themen des Austausches.

Schließlich stellten Antje Hagel und Stefan Roggenthin als Sprecher*innen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte e.V. (BAG) die neue Struktur der Selbstorganisation der Fanprojekte vor, denn mit das wichtigste sei ein guter fachlicher und vor allem kollegialer Austausch in geeigneten Gremien. Mit der neuen Struktur arbeiten mehr Kolleginnen an den internen Themen, was für alle eine Erleichterung mit sich bringe.

Mit einer Podiumsveranstaltung endete der intensive Fachtag auf dem DFB-Campus.


Kommentar der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) zu den Forderungen der Innenministerkonferenz nach einer Zentralen Stadionverbotskommission beim DFB

Die BAG erläutert ausführlich das langjährig bewährte Prozedere der Vergabe von Stadion-verboten und die damit verbundene Arbeit der Fanprojekte. Die derzeit bestehenden Regelungen ermöglichen sowohl den Vereinen wie auch den Fanprojekten einen Zugang zu Personen, denen vorgeworfen wird, die Sicherheit im Stadion oder auf Reisewegen gefährdet zu haben.

Um diese Beziehungsarbeit nicht aufs Spiel zu setzen, fordert sie den Verbleib der Vergabe von Stadionverboten in der Hand der Vereine. Zudem fordert sie die Weiterentwicklung von Alternativen zu Stadionverboten sowie die regelmäßige Schulung von Stadionverbotsbeauftragten. Die BAG spricht sich zudem für eine Ombudsstelle beim DFB aus, auf die alle Seiten zurückgreifen können: Seien es die Fans, die Clubs oder auch die Polizeien.

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31. Fanfinale der BAG der Fanprojekte

Vom 22. bis 24. Mai fand in Berlin zum 31. Mal das traditionsreiche Fanfinale der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) statt. Auf der Sportanlage Jungfernheide in Charlottenburg kamen junge Fußballfans aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen, um an dem Fußballturnier für jugendliche Fans teilzunehmen.

Veranstaltet wurde das Fanfinale von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, Ausrichter war in diesem Jahr erneut das Fanprojekt der Sportjugend Berlin. Insgesamt nahmen 20 Teams am Turnier teil – 18 Jungsteams und 2 Mädchenteams. Nach spannenden und fairen Spielen durfte sich bei den Jungen die Mannschaft des Fanprojekts Babelsberg über den Turniersieg freuen. Im Wettbewerb der Mädchen setzte sich das Team des Fanprojekts von Hannover durch und nahm den Titel mit nach Hause.

Im Mittelpunkt des Wochenendes stand jedoch nicht der sportliche Erfolg, sondern der Austausch und die Begegnung der teilnehmenden Fans im Alter von 16 bis 23 Jahren. Das Fanfinale ist ein zentraler Bestandteil der gewaltpräventiven Arbeit der sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekte und bietet Jugendlichen eine einzigartige Plattform zur Vernetzung über Vereinsgrenzen hinweg. Gemeinsame Aktivitäten, Gespräche und das sportliche Miteinander fördern den respektvollen Umgang. Ein besonderer Höhepunkt des Wochenendes war wie in jedem Jahr der gemeinsame Besuch des DFB-Pokalfinales im Berliner Olympiastadion am Samstagabend. Vor ausverkauftem Haus erlebten die teilnehmenden Fanprojekte ein stimmungsvolles Endspiel, in dem sich der VfB Stuttgart mit 4:2 gegen Arminia Bielefeld durchsetzte und damit den Pokal zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte gewann.

Die teilnehmenden Mannschaften bedanken sich herzlich bei den Fanprojekten der Sportjugend Berlin und der Alten Försterei für die engagierte Organisation und Durchführung des Fanfinales. Ein besonderer Dank gilt dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) sowie den Pokalfinalisten VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung. Ebenso geht ein großer Dank an die ehrenamtlichen Schiedsrichter:innen, die mit ihrem Einsatz maßgeblich zum fairen und reibungslosen Ablauf des Turniers beigetragen haben.

Nur durch dieses gemeinsame Engagement konnte erneut eine wertvolle Möglichkeit zur Begegnung und zum Dialog zwischen jungen Fußballfans geschaffen werden.


Fanprojekte stellten sich als Teil der lokalen Jugendhilfe vor

Vom 17. bis zum 20. März kamen die 71 sozialpädagogischen Fußball-Fanprojekte zur Jahrestagung ihrer Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Nürnberg und Fürth zusammen. An dieser Veranstaltung nahmen die Fansozialarbeit neben der Fachöffentlichkeit auch kommunale Vertreter*innen der jeweiligen Ausrichtungsorte sowie Repräsentant*innen der ansässigen Fußballclubs und der Fußballverbände teil.

Das Motto der diesjährigen Tagung lautete: „Soziale Arbeit in Konkurrenz? – Fanprojekte im lokalen
Netzwerk“. Herausgestellt wurden in diesem Jahr die Anknüpfungspunkte der Fansozialarbeit an das sie
umgebende Hilfesystem vor allem in den Kommunen, aber auch an Einrichtungen in Land und Bund. Daher waren neben den Mitarbeitenden der Fanprojekte auch Kolleg*innen aus der städtischen oder überregionalen Sozialen Arbeit eingeladen. Neben der geschlechtsspezifischen Gewaltprävention waren auch die Bereiche der Radikalisierungs- und Gewaltprävention sowie ganz allgemein die kommunale Jugendarbeit vor Ort vertreten. Ein Ergebnis des geplanten fachlichen Austausches liegt daher in der Intensivierung der Kooperation von Fanprojekten mit Einrichtungen an den jeweiligen Standorten. „Es ging uns in diesem Jahr darum, unsere Wirkung durch die alltägliche Kooperation und Netzwerkarbeit in der Kommune herauszustellen und sichtbar zu machen“, so der BAG-Sprecher Stefan Roggenthin vom Fanprojekt Magdeburg.

Darüber hinaus gab es Fortbildungsangebote und Workshopinhalte, die der Fansozialarbeit helfen sollen, aktuelle Aufgaben und Themen besser bewältigen zu können. Denn nicht nur die Klientel der Fanprojekte verändert sich beständig, sondern auch die Mittel, mit denen zum Beispiel kommuniziert wird.
„Dieses Tagungsformat, das wir in diesem Jahr zum 31. Mal erleben durften, hilft uns bei unserer Arbeit und hinsichtlich des kollegialen Austausches sehr. Wir erlebten auch diesmal wieder, wie vielfältig und inhaltsreich unsere Form der Sozialen Arbeit ist. Nun kehren wir gestärkt und mit neuer Motivation an unsere jeweiligen Standorte zurück“, fasst die BAG-Sprecherin Antje Hagel vom Fanprojekt Offenbach die Wirkung der Fachveranstaltung zusammen.

DFB-Präsident Neuendorf von Wirksamkeit der Fanprojekte überzeugt

Bereits bei der Eröffnung der Tagung am vergangenen Dienstag zeigte sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf von der Wirksamkeit der Fanprojekte überzeugt, die regelmäßig von einem externen Institut evaluiert werden. So hebe er auch in Gesprächen mit der Politik stets das Engagement der Mitarbeitenden der Fanprojekte hervor, die Wochenende für Wochenende viele junge Menschen in den Stadien und auf Reisewegen begleiteten. Michael Gabriel von der Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS) erwähnte ebenfalls die hohe Qualität der Fanprojektarbeit, die in einer aktuellen Broschüre der KOS dokumentiert sei.

Und schließlich stärkte auch Eric Roda-Gracia von der Abteilung Fanangelegenheiten bei der DFL den Fanprojekten den Rücken, als er ihren Beitrag zur Sicherheit in Fußballstadien ansprach. „Die Fans in den Fußballstadien fühlen sich sicher“, fasste er die Ergebnisse der verbandseigenen Befragung von Stadionbesuchenden zusammen, und die Fanprojekte hätten einen Anteil hieran. Schließlich bestätigten die Vertreter*innen der lokalen Jugendhilfe sowie der Träger beider Fanprojekte in Nürnberg und Fürth den Wert für die lokale Jugendarbeit. Die Möglichkeit der Verweisung von jungen Menschen an lokale Hilfestrukturen sei für die Fanprojektarbeit eine wertvolle Ressource. Und umgekehrt erreichten die Fanprojekte Jugendliche, die von sonstigen lokalen Angeboten nicht erfasst würden.

Am letzten Tag rundete schließlich die Jahreshauptversammlung der BAG der Fanprojekte e.V. die Tagung ab, bei der sich über die interne Gremienarbeit abgestimmt wurde. Außerdem konnte mit dem städtischen Träger des neu gegründeten Fanprojektes in Ulm ein neues Mitglied in die BAG aufgenommen werden.

Die BAG der Fanprojekte bedankt sich bei den ausrichtenden Fanprojekten Nürnberg und Fürth, die für einen gelungenen Rahmen in ihren Städten gesorgt haben. Im kommenden Jahr wird das Fanprojekte Erfurt die Tagung ausrichten.

Für Rückfragen wenden Sie sich gerne an info@bag-fanprojekte.de


Fußball-Fanprojekte tagen in Nürnberg und Fürth

Vom 17. bis zum 20. März kommen die 70 sozialpädagogischen Fußball-Fanprojekte zur Jahrestagung ihrer Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Nürnberg und Fürth zusammen. Zu dieser Veranstaltung lädt die Fansozialarbeit neben der Fachöffentlichkeit auch kommunale Vertreter*innen der jeweiligen Ausrichtungsorte, von den ansässigen Fußballclubs sowie von den Fußballverbänden DFB und DFL ein.

Das Motto der diesjährigen Tagung lautet: „Soziale Arbeit in Konkurrenz? – Fanprojekte im lokalen Netzwerk“. Herausgestellt werden in diesem Jahr die Anknüpfungspunkte der Fansozialarbeit an das sie umgebende Hilfesystem vor allem in den Kommunen, aber auch an Einrichtungen in Land und Bund. Daher sind neben den Mitarbeitenden der Fanprojekte auch Kolleg*innen aus der städtischen oder bundesweiten Sozialen Arbeit eingeladen. Neben der Suchtprävention sind beispielsweise die Bereiche der Radikalisierungs- und Gewaltprävention sowie ganz allgemein die kommunale Jugendarbeit vor Ort vertreten. Ein Ergebnis des geplanten fachlichen Austausches könnte eine Verbesserung und Intensivierung der Kooperation von Fanprojekten mit Einrichtungen an den jeweiligen Standorten der Fanprojekte sein. „Es geht uns in diesem Jahr darum, unsere Wirkung durch die alltägliche Kooperation und Netzwerkarbeit in der Kommune herauszustellen und sichtbar zu machen“, so der BAG-Sprecher Stefan Roggenthin vom Fanprojekt Magdeburg.

Darüber hinaus gibt es weitere Fortbildungsangebote und Workshopinhalte, die der Fansozialarbeit helfen sollen, aktuelle Aufgaben und Themen besser bewältigen zu können. „Dieses Tagungsformat, das wir in diesem Jahr zum 31. Mal erleben dürfen, hilft uns bei unserer Arbeit und hinsichtlich des kollegialen Austausches sehr. Wir freuen uns schon auf die Tagung, kehren wir doch immer gestärkt und mit neuer Motivation an unsere jeweiligen Standorte zurück“, fasst die BAG-Sprecherin Antje Hagel vom Fanprojekt Offenbach die Wirkung der Fachveranstaltung zusammen.
Am letzten Tag rundet schließlich die Jahreshauptversammlung des Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte e.V. die Tagung ab, bei der über die interne Gremienarbeit gesprochen wird. Hierbei sind die Fansozialarbeiter*innen dann wieder unter sich.

Rückfragen gerne an: info[at]bag-fanprojekte.de


Gemeinsame Presseinformation zur Rechtswidrigkeit von Überwachungsmaßnahmen beim Fanprojekt Leipzig

 
  • Landgericht Dresden bestätigt final, dass die Telefonüberwachung eines Sozialarbeiters des Fanprojekts Leipzig im Jahr 2014 rechtswidrig war
  • 8 Jahre andauernder Rechtsstreit bringt endlich Klarheit über Grundrechtseingriff
  • Dachverbände problematisieren weiterhin Rechtsunsicherheit bei Mitarbeiter:innen – Soziale Arbeit muss besser geschützt werden

Der Fall ging durch die Medien. Im Zuge einer Strukturermittlung des Landeskriminalamtes Sachsen geriet auch ein sozialpädagogischer Mitarbeiter des Leipziger Fanprojektes als Beschuldigter ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft. Insgesamt drei Jahre – von 2014 bis 2016 – lief ein sogenanntes Strukturermittlungsverfahren nach §129, der Bildung einer kriminellen Vereinigung, in dessen Kontext unterschiedliche strafprozessuale Maßnahmen Anwendung fanden. Unter anderem wurde das Telefon des Mitarbeiters im Rahmen einer TKÜ-Anordnung über mehrere Monate überwacht, tausende Gesprächsinhalte und Nachrichten wurden dabei erfasst, transkribiert und interpretiert. Im Fokus der Überwachung stand vor allem die pädagogische Beziehungsarbeit mit jugendlichen Fans der BSG Chemie Leipzig: die Fahrten zu Fußballspielen, die Organisation von Veranstaltungen und Workshops, sensible Einzelfallhilfen und bildungspolitische Angebote. Aber auch viele Aspekte aus dem „Kernbereich privater Lebensführung“, Gespräche mit Familie, Freundin, Kind und Alltagsleben wurden protokolliert und dezidiert ausgewertet.

Im Nachgang musste die zuständige Behörde hunderte Personen informieren, die als „Beifang“ mit ins Visier der Ermittler geraten sind: u.a.  Ärzt:innen, Anwält:innen, Sozialarbeiter:innen, Journalist:innen und Politiker:innen. Die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG)  initiierten nach der Öffentlichmachung des Falls einen Offenen Brief unter dem Titel „Gegen die Kriminalisierung der Sozialen Arbeit mit Fußballfans“. Der Fall zog mehrere kleine Anfragen im Sächsischen Landtag nach sich und war u.a. Thema im Rechts- und Innenausschuss des Parlaments. Der sächsische Datenschutzbeauftragte kritisierte das Vorgehen der Ermittler:innen in seinem Jahresbericht und unterzog das Vorgehen von LKA und Staatsanwaltschaft einem Prüfverfahren.

Im Januar 2025 – also acht Jahre nachdem die Telefonüberwachung des Mitarbeiters vor den zuständigen Gerichten problematisiert wurde – entschied nun das Landgericht Dresden in einem abschließenden Beschluss, dass die damalige Maßnahme der Dresdner Staatsanwaltschaft klar rechtswidrig war. Der Mitarbeiter des Fanprojektes hätte nicht überwacht werden dürfen, der Ermittlungsansatz der Behörde war rückblickend nicht tragfähig. Zusätzlich hätte er viel eher über die stattgefundene TKÜ-Maßnahme informiert werden müssen, denn TKÜ-Maßnahmen sind schwerwiegende Eingriffe in die persönlichen Grundrechte. Das Gericht verweist in seine Begründung auf den beruflichen Kontext, auf das Berufsgeheimnis des Mitarbeiters und das besonders sensible Arbeitsfeld, in denen sich Mitarbeitende von Fanprojekten bewegen. Für den Kollegen des Fanprojektes in Leipzig ist das Urteil gleichsam eine enorme Erleichterung. Endlich ist der Rechtsstreit über das rechtswidrige Abhören beendet. Der lange Atem hat sich gelohnt.

Für die Fansozialarbeit im Speziellen, aber auch für viele andere Felder der Sozialen Arbeit ist das Urteil vor allem auch aus professionstheoretischer und berufsrechtlicher Sicht von Belang und Bedeutung. Der Fall steht neben anderen – wie zuletzt in Karlsruhe – für das potenzielle Risiko der Kriminalisierung der Sozialen Arbeit, die eben auch mit schwierigen und delinquenten Zielgruppen agiert. Polizeiliche Ermittler:innen, Richter:innen  und Staatsanwält:innen benötigen eine präzise Kenntnis über die spezifischen Momente Sozialer Arbeit. Nachhaltige sozialpädagogische Bemühungen und das Setzen von Veränderungsimpulsen können nur dann funktionieren, wenn sie in einem geschützten Rahmen stattfinden, in dem vertrauensvoll zwischen Pädagog:innen und Klientel agiert werden kann. Das professionelle Handeln von Sozialarbeiter:innen erfüllt im Kontext der gesetzlichen Maßgaben wichtige staatliche Aufgaben, hier die pädagogische Arbeit in der Lebenswelt von jungen Fußballfans: in Stadien, auf Reisewegen, an Treffpunkten oder einfach auf der Straße. Diese Tätigkeiten erfolgen theorie- und methodengestützt und auf der Basis einer werteorientierten Berufsethik, die ermöglicht, die Menschen in ihren Fähigkeiten, Potentialen und Ressourcen zu sehen und gleichzeitig eine kritische Distanz zu wahren.

Sozialarbeiter:innen hier zum Gegenstand von Ermittlungen zu machen, verkennt professionelles Handeln sowie gesellschaftlichen Auftrag und wirkt einer erfolgreichen Arbeit entgegen. Der Zustand der Unsicherheit, der sich durch die oben beschriebenen Exekutivmaßnahmen abbildet, stellt mittlerweile eine ernste Gefahr für das Arbeitsfeld dar. Seit einigen Jahren kämpft die Soziale Arbeit auf Bundesebene daher für eine Reform des §53 StPO, dem sogenannten Zeugnisverweigerungsrecht, und weist dezidiert auf den strafprozessualen Veränderungsbedarf hin. Die aktuelle Rechtsprechung zu den Ermittlungen gegen die Fansozialarbeit in Leipzig unterstreicht aus unserer Sicht noch einmal die Plausibilität und die Dringlichkeit, das Vertrauensverhältnis zwischen Sozialarbeiter:innen und Klientel mit der notwendigen rechtlichen Absicherung zu versehen.

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte e.V.
Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen Sportjugend
Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V.

Leipzig/Frankfurt am Main, 12. März 2025


Auswahl weiterführender Beiträge:

https://www.bag-fanprojekte.de/2017/12/19/gegen-die-kriminalisierung-der-sozialen-arbeit-mit-fussballfans/

https://www.spiegel.de/sport/fussball/ueberwachung-von-chemie-leipzig-anhaengern-big-brother-in-leipziger-fanszene-a-1150600.html

https://taz.de/Leipziger-Fanprojektmitarbeiter-im-Visier/!5399586/

https://www.11freunde.de/amateure/mit-allen-mitteln-a-a6388d80-0004-0001-0000-000000537145

https://www.fanprojekt-leipzig.de/ueberwachung-von-leipziger-fussballfans-auch-fuer-das-fanprojekt-eine-herausforderung/

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Antje HagelMichael Gabriel und Philipp BeitzelGeorg Grohmann
Sprecherin der BAG der FanprojekteKOSLAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V.
antje.hagel@bag-fanprojekte.degabriel@dsj.degrohmann@mja-sachsen.de
mobil: +49 171 8120848mobil: +49 1577 14 18 265
beitzel@dsj.de
mobil: +49 178 4935361 

Die Pressemitteilung als pdf:



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