BAG Fanprojekte

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Aktuelles

Offener Brief der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte zu den öffentlichen Angriffen auf die Fanprojekt-Mitarbeiterin in Aachen, Kristina Walther

In Aachen ist die Leiterin des dortigen Fanprojektes, Frau Walther, von Alemannia-Fans in nicht hinnehmbarer verbaler Weise persönlich angegriffen worden. Diese Fans, die zum Teil aus dem Umfeld des NPD-Aktivisten Sascha Wagner kommen, bezichtigen Frau Walther des „Linksextremismus`“ und fordern öffentlich gegenüber der Geschäftsführung von Alemannia Aachen und nicht nur dort die Abschaffung des Fanprojektes.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) stellt sich mit diesem Brief hinter die Fanprojekt-Kollegin aus Aachen, Kristina Walther. Frau Walther arbeitet, wie es ihrem Auftrag entspricht, nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS). Dieser Auftrag umfasst ausdrücklich auch die Thematisierung und Bekämpfung extremistischer Tendenzen in den Fanszenen des jeweiligen Bezugsvereins. Offensichtlich hat genau diese Arbeit einen wunden Punkt bei einem kleinen Teil der Aachener Fanszene getroffen, denn nur so lassen sich deren Diffamierungen gegen sie erklären. Die Entwicklung und Umsetzung von Konzepten  gegen extremistische Tendenzen ist zudem ein Anliegen, dass alle 50 sozialpädagogischen Fanprojekte in Deutschland verfolgen und deshalb geht es hier auch mehr als nur um die Person Frau Walther. Es geht um die Haltung des Fußballs insgesamt zu solchen Problemstellungen.

Wir als BAG werden Frau Walther im Sinne ihrer Arbeit unterstützend zur Seite stehen. Wir erwarten allerdings auch, dass diese Unterstützung von allen am Profifußball beteiligten Institutionen ausgeübt wird. Der Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus ist sicherlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie sollte nur eben da zuvorderst angegangen werden, wo solche Tendenzen schon sichtbar sind und sich auszubreiten drohen. Der Fußball sieht sich mit diesen Problemen regelmäßig konfrontiert und muss sich deshalb entsprechend und eindeutig positionieren.

Wir sind uns aber sicher, dass der Verein Alemannia Aachen klar Stellung beziehen wird und werden ihn hierfür in jedweder Form unterstützen.

 

Die Sprecher BAG Fanprojekte

Matthias Stein
Thomas Beckmann

Jena/ Mainz 20.12.2011

 

Erfolgreiche Aktionstage in Köln gegen Rechtsextremismus im Sport

Sport hat in unseren heutigen Gesellschaft einen hohen Stellenwert. In einem Sportverein aktiv zu sein gehört bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen seit Jahren zum Alltag, sie schätzen u.a. den Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl. In zunehmendem Maße versuchen Rechtsextremisten, dies zu nutzen und den Sport als Plattform zur Verbreitung ihres rassistischen Gedankenguts zu missbrauchen. Sie agieren als Spielführer, Trainer, Übungsleiter, Sponsor oder „engagieren“ sich in anderen Funktionen innerhalb des Vereins. Auch im Sport selbst und auf den Fantribünen kommt es immer wieder zu rechtsextremen und diskriminierenden Zwischenfällen. Um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen und um dagegen aktiv zu werden, fanden Ende Oktober in Köln Aktionstage „Gegen Rechtsextremismus im Sport“ statt.

Im Rahmen der FARE ACTION WEEK 2011, bei der europaweit vielfältige Veranstaltungen gegen Rassismus durchgeführt wurden (siehe www.farenet.org), organisierte ein Kölner Arbeitsbündnis (Sozialpädagogisches Kölner Fanprojekt, FC-Ultrà-Fangruppe Coloniacs, BiBeriS – Bildung & Beratung im Sport) vom 19.-31. Oktober zum vierten Mal Aktionstage gegen Diskriminierung im Sport. Mit einem Fußballturnier für Jugendliche, einer thematischen Ausstellung über rechte Parteien und ihre Ideologien, einem Fachvortrag zur rechten Kultur/Symbolik sowie der Lesung „Angriff von Rechtsaußen“ konnte sich dem Thema „Rechtsextremismus im Sport“ erfolgreich genähert werden. Interessierte KölnerInnen und Akteure des Kölner Sports wurden auf diese Weise informiert und so für die doch bedenklichen Entwicklungen in unserer Gesellschaft sensibilisiert.

Zum Auftakt der Aktionstage veranstaltete das Sozialpädagogische Kölner Fanprojekt in Kooperation mit Köln Kickt, dem Fußballprojekt der RheinFlanke GmbH, ein Fußballturnier für Jugendliche unter dem Motto „Mehr als ein 1:0 – Fußballkultur gegen Rassismus“. 16 Teams von verschiedenen Kölner Jugendeinrichtungen spielten im Schatten des RheinEnergie-Stadions auch um einen speziellen Fair-Play-Pokal, am Ende eines sportlichen Tages konnten sich dann alle TeilnehmerInnen als Gewinner fühlen. Ein paar Tage später lud das Arbeitsbündnis zum Fachvortrag „Rechte Lebenswelten im Sport – Marken, Zeichen & Lifestyle“ in die Räumlichkeiten des Fanprojekts. Hans-Peter Killguss, der bei der Info- & Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs) in Köln arbeitet, referierte über die Symbolik rechter (Jugend)Kultur, die auch im Sport, in Vereinen und in Fußballfankurven zu finden ist. Er informierte über Kleidermarken wie „Thor Steinar“, über Musikbands wie „Landser“ und über Zahlencodes (z.B. 88 für Heil Hitler), die in neonazistischen oder extrem rechten Gruppen zu beobachten sind. Begleitend zum Vortrag war die Ausstellung „Gegen Rechtsextremismus in Köln/im Sport“ zu sehen, die vom Jugendclub Courage initiiert wurde. Auf 26 Schautafeln zeigte diese Hintergründiges zu Ideologien, Parteien und Symbolik rechtsextremer Kultur, auch stellte sie Wissenswertes über rassistische Vorfälle im (Fußball-)Sport und zu vielfältigen Gegenaktivitäten dar. Die Ausstellung konnte bis zum Ende der Aktionstage noch an der Sporthochschule Köln sowie beim Heimspiel des 1.FC Köln gegen den FC Augsburg vor der Südtribüne des Stadions bewundert werden. Hunderte, meist jugendliche Fußballfans nutzten dort die Möglichkeit, sich selbst und auch die eigenen Verhaltensweisen auf den Zuschauerrängen zu hinterfragen.

Zum Abschluss der Aktionstage 2011 fand im Sport- & Olympiamuseum Köln die Lesung „Angriff von Rechtsaußen“ statt. Der Journalist und Autor Ronny Blaschke (Berlin) hat für sein gleichnamiges Buch mit dem Untertitel „Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“ mehrere Beispiele aus dem Sport intensiv recherchiert und anschaulich eine Unterwanderung durch rechtes Gedankengut dokumentiert. So konnte er von einem Interview mit einem Parteifunktionär der NPD berichten, der als Fußballfan von Lok Leipzig öffentlichkeitswirksame Wahlwerbung veranstaltete. Auch beschrieb der Autor, wie ein sozialpädagogisches Fußballfanprojekt mitsamt seiner staatlichen Fördereinnahmen durch besonderes „Engagement“ eines Fanclubs (Blue Cabs) für die NPD vereinnahmt wurde. Ein drittes Beispiel beschrieb einen Schiedsrichter in Lüdenscheid, der privat wegen rechter Hetzpropaganda verurteilt wurde - nun pfeift er Jugendfußballspiele auch mit Migrantenvereinen und beeinflusst die politische Meinung der jungen Sportler. Doch Rechtsextreme im Sport seien keine Einzelfälle, sagte Blaschke, was auch die anschließende Diskussion herausstellte, bei der sich auch Andreas Schmidt vom Kölner Fanprojekt und Bodo Coombs-Robeck vom schwullesbischen FC-Fanclub Andersrum Rut-Wiess auf dem Podium den Fragen der Anwesenden stellten. Über 100 Personen waren an diesem Abend gekommen, sie wurden mit informativen Materialien und Fachbroschüren versorgt, die am Infotisch von „BiBeriS - Bildung & Beratung im Sport“ verteilt wurden, und alle gingen mit der Erkenntnis nach Hause, jetzt im eigenen Umfeld gegen Rechtsextremismus im Sport aktiv zu werden.

Auch nach den erfolgreichen Aktionstagen geht die Arbeit gegen Rassismus im Sport weiter. BiBeriS organisiert einen Folgeworkshop, bei dem Beispiele aus der Sportvereinspraxis besprochen und mögliche Lösungsansätze behandelt werden. Besonders der Fußball-EM 2012 in Polen/Ukraine gilt danach die Aufmerksamkeit, einzelne Projekte, die sich gegen die Gewalt in den Fußballstadien richten und sich vielmehr für eine Förderung internationaler Fanfreundschaften einsetzen, sind bereits geplant.
Jörg Stenzel (BiBeriS), Andreas Schmidt (Kölner Fanprojekt), Coloniacs (Ultràs 1.FC Köln)

 

IT-Fitness-Camp in den Herbstferien

30 Jugendliche trainieren mit den Münchner Löwen, lernen für ihre Zukunft und sind Gäste der Allianz-Arena
Mehr als 30 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren haben in den Herbstferien am IT-Fitness-Camp im Freizeittreff Freimann teilgenommen.
Das dreitägige IT-Fitness-Camp wurde vom „Fanprojekt München“ und dem IT-Bildungsnetz e.V. organisiert und richtete sich an fußballbegeisterte Jugendliche aus München und Umgebung. Ziel war, mit dem Herbstferienprogramm jungen Menschen eine andere Art der Berufsvorbereitung zu ermöglichen – natürlich kostenfrei.
Die Lernangebote im IT-Fitness-Camp verstanden sich dabei als ergänzende und weiterführende An¬gebote zum Schulunterricht und dienten der Ausbildungsvorbereitung. Neben IT-Kursen zur Vermittlung von Grundlagen im Umgang mit Hardware und Software und Bewerbungstrainings absolvieren die Teilnehmer ein vielfältiges Sportprogramm, mit dem auch die soziale Kompetenz der Teilnehmer gefördert wurde. Neben einem Boxtraining, einer Einheit zur Selbstverteidigung und einem HipHop-Kurs stand ein besonderes Highlight auf dem Programm: Eine Trainingseinheit mit dem Trainerteam des TSV 1860 München. Cheftrainer Reiner Maurer und Co-Trainer Alex Schmidt übten mit den Jugendlichen Standardsituationen und zeigten ihnen Tricks und Kniffe. Die beiden 1860-Profis Necat Aygün und Manuel Schäffler gaben die Trainer-Assistenten und unterstützen die Camp-Teilnehmer bei ihren Übungen. Der Spaß kam dabei natürlich nicht zu kurz.
(vgl. Nachricht bei 1860: http://www.tsv1860.de/aktuell/news/loewen-trainieren-im-it-fitness-camp)
Ins Leben gerufen wurde die Kooperation von Fanprojekt und IT-Bildungsnetz von der State Street Bank GmbH. Im Rahmen ihrer Unterstützung gemeinnütziger Projekte übernahm diese auch die Kosten für die Durchführung des IT-Fitness-Camps. In das Programm eingebunden begleiteten zudem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der State Street Bank die Jugendlichen. Mit ihrem Erfahrungswissen aus der Wirtschaft gaben sie Tipps zum richtigen Auf¬treten bei einem Bewerbungsgespräch und zur Darstellung der individuellen Stärken und Interessen in einer Bewerbung.
Ein großer Dank der Organisatoren geht zudem an den Freizeittreff Freimann und das Projekt JAPS – Jugend Arbeit Perspektiven des Kreisjugendrings München für die tatkräftige Unterstützung.
Zum Abschluss des Camps waren die Teilnehmer Gast in der Allianz-Arena, in der sie auch ihre Camp-Teilnahmeurkunde überreicht bekamen.
Die Freude in den Augen der Teilnehmer bestärkt das Fanprojekt, die Organisatoren und Unterstützer in dem Vorhaben, mit einem IT-Fitness-Camp im nächsten Jahr wieder ein Schulungsprogramm der Extraklasse anzubieten.

 

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte mahnt zur Sachlichkeit

Jena/Mainz 03.11.2011
Mit Besorgnis beobachtet die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) die derzeitige Mediendebatte um eine angebliche Ausuferung der Gewalt bei und im Umfeld von Fußballspielen. Durch die enge Arbeit mit jungen Fußballfans und den direkten Kontakt in die lokalen Fanszenen ist es den Mitarbeitern/innen der Fanprojekte möglich, aktuelle Entwicklungen und Stimmungen zu registrieren und darauf angemessen zu reagieren.
Die BAG verfolgt mit Sorge die momentan ausufernde Diskussion über die angebliche Gewaltzunahme im Rahmen von Fußballspielen. Vertreter von DFB und DFL, aus Politik und Gesellschaft und die Polizei erwecken in ihren Ausführungen den Eindruck, dass der Besuch eines Fußballspiels zwangsläufig mit einer Gefährdung der eigenen Gesundheit und der Unversehrtheit des eigenen Leibes verbunden ist. Die aktuelle Berichterstattung in den Medien führt zu einer Hysterie und geht völlig am Ziel einer sachgerechten und objektiven Auseinandersetzung mit dem Thema der Gewalt beim Fußball vorbei. In der öffentlichen Wahrnehmung wird ein Bild verfestigt, das nicht den Tatsachen entspricht und in dem bspw. die Verwendung von Pyrotechnik pauschal mit „Gewalt“ und „Randale“ gleichgesetzt wird, und die Ultra-Gruppierungen als alleinige Verantwortliche für die aktuelle Lage dargestellt werden. Durch eine solche Sippenhaft einzelner Gruppen sowie die undifferenzierte Berichterstattung, die in weiten Teilen populistische Züge angenommen hat, kommt man dem Ziel der Verringerung der Gewalt beim Fußball keinen Schritt näher. Vielmehr steigt die Gefahr, dass durch die Darstellung falscher Tatsachen und die Panikmache in vielen Presseberichten, die Gewalt im Umfeld des Fußballs noch weiter ansteigt und sich die Fronten weiter verhärten.

Die BAG fordert bei der derzeitigen Diskussion eine Rückkehr zu einer sachlichen und objektiven Berichterstattung und Debatte. Es sollte sich an sachliche Argumente und an Fakten gehalten werden. Dramatisierungen und Hysterie führen nicht zum Ziel, eher wirken sie sich kontraproduktiv aus.

Unabdingbare Voraussetzung aus Sicht der BAG ist, dass es (weiterhin) einen Dialog mit den (betroffenen) Fußballfans/Ultras gibt. Nur durch den offenen und ehrlichen Austausch mit dieser Gruppe ist es möglich, aktuelle Meinungen und Entwicklungen aus den Fankurven zu registrieren und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln, die zielführend und nachhaltig scheinen. Hierzu gehören Verband und Liga mit den Fans/Ultras und deren Organisationen an einen gemeinsamen Tisch. Die Fanprojekte werden diesen Dialog gern auf den Weg bringen, moderieren und begleiten. Nach Ansicht der BAG ist nur über den Weg der Kommunikation und des Dialogs das Ziel zu erreichen, hinter dem alle Fußballfans stehen/stehen sollten: Weniger Gewalt beim Fußball.

i.A. Matthias Stein
BAG Sprecher

 

Tatort Stadion

 

Polizeilicher Übergriff auf Babelsberger Fanprojektmitarbeiterin in Jena

Im Anschluss an das Drittliga-Spiel FC Carl Zeiss Jena gegen SV Babelsberg 03 kam es am Bahnhof Jena-Paradies zu Auseinandersetzungen zwischen Thüringer Polizeibeamten und Babelsberger Fußballfans.
Aus den uns vorliegenden Augenzeugenberichten und Gedächtnisprotokollen von Fans und Mitarbeitern des Babelsberger Fanprojekts geht dabei hervor, dass die hier eingesetzten Polizeibeamten mit ihrem Verhalten einen wesentlichen Anteil an der Eskalation der Situation hatten.
Die in einem noch frühen Stadium der Eskalation hinzukommende Kollegin, die Streetworkerin Barbara Paech, die an diesem Tag zur Unterstützung des Fanprojekts eingesetzt war, versuchte die Babelsberger Fans zu beruhigen und gab sich gegenüber den Polizeibeamten als Sozialarbeiterin zu erkennen, die den Wunsch hätte, die polizeilichen Maßnahmen gegen einen von den Beamten festgesetzten Fan zu begleiten. Ihr wurde von Seiten eines Beamten mitgeteilt, sie habe keine Rechte.
Unmittelbar danach erhielt sie von diesem Beamten einen Schlag gegen den Oberkörper, infolgedessen sie zu Boden ging. Am Boden liegend empfing sie weitere Tritte. Im Zusammenhang mit dem Sturz erlitt sie leichte Verletzungen, u.a. eine Prellung des Steißes sowie mehrere Hämatome.
Unabhängig von der etwaigen Erfüllung von Straftatbeständen durch den eingesetzten Beamten (in Frage käme hier eine Körperverletzung im Amt) empfinden wir es als ungeheuerlichen Angriff gegen unseren Arbeitsstand, wenn Fanbetreuer_innen wohl wissentlich ob ihrer Funktion von Polizeibeamten körperlich angegriffen werden.
Mittlerweile werden die Mitarbeiter_innen der sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekte in vielen Fällen von Polizeibeamten als wichtige Vermittlungsinstanz wahrgenommen. Dass dies nicht immer der Fall ist, ist zu kritisieren.
Angriffe gegen die körperliche Integrität haben jedoch eine ganz eigene Qualität und können nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) erwartet, dass dieser Vorfall im Bereich der Polizeiinspektion Jena sowie in der BFE der Thüringischen Landespolizei ausgewertet wird, und eine Stellungnahme sowie eine Entschuldigung bei der betroffenen Babelsberger Kollegin erfolgen.
Mit freundlichen Grüßen
i. A. Thomas Beckmann
BAG Sprecher

 

FP Jena: Erfolgreiche Festwoche zum 20-jährigen Bestehen des Fanprojektes

Ein positives Fazit ziehen Vorstand und Mitarbeiter des Fanprojektes Jena nach der Festwoche aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von Fanprojekt-Arbeit in Jena. Die Veranstaltungen der Festwoche müssen als absolut gelungen bezeichnet werden. Den Auftakt bildete am Montag, dem 10. Oktober die feierliche Eröffnung der Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“, die in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Landesbüro Thüringen und „KoKont“ von Montag bis Freitag in den Räumen des Fanprojektes gastierte. Die Ausstellungseröffnung, in deren Rahmen u.a. FC-Präsident Rainer Zipfel darüber sprach, warum es für eine Fußballverein wichtig ist, sich mit dem Thema Rechtsextremismus zu beschäftigen, wurde von ca. 40 Gästen besucht. Die begleiteten Ausstellungsbesuche (inkl. Filmvortrag) für Schulklassen waren ausgebucht.
Die Party „20 Jahre Fanprojekt“ im „F-Haus“ hätte durchaus noch mehr Besucher verdient gehabt, aber alle Anwesenden hatten definitiv ihren verdienten Spaß. „Volles Haus“ im Fanprojekt auch am Donnerstagabend zur Buchlesung* mit Christoph Ruf, der aus verschiedenen seiner Bücher las.

Höhepunkt dann die Festveranstaltung mit 100 Gästen am Freitagmittag im VIP-Zelt des Ernst-Abbe-Sportfeldes. Ehrengäste aus Politik, Fachwelt, Sport und Kommune sowie Vertreter der Fanszene ehrten das Fanprojekt. Festredner waren die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit Heike Taubert, Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter, DFB-Vertreter Martin Spitzl, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Katrin Göring-Eckardt, LSB-Hauptgeschäftsführer Rolf Beilschmidt, Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte, Ostverbundssprecherin Korinna Dittrich für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, der Bundestagsabgeordnete Ralph Lenkert, der Landtagsabgeordnete Uwe Barth und FC-Präsident Rainer Zipfel.

Die Redner würdigten das erfolgreiche Wirken des Projektes und bekannten sich zur Unterstützung der weiteren Arbeit der Einrichtung. Schließlich überreichte der bekannte Fanforscher Prof. Dr. Gunter A. Pilz das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“.

 

 

 

 

 

 

Die Veranstaltung wurde hervorragend moderiert von dem bekannten Sportjournalisten Christoph Ruf. Eine 36-seitige Festschrift rundete die Veranstaltung ab. Im Anschluss an das leider verlorene Drittligaspiel gegen die Zweitvertretung des VfB Stuttgart, in dessen Rahmen die Fans in der Südkurve „ihrem“ Fanprojekt mit einem Spruchband gratulierten, fand die Festwoche mit der Buchlesung* „Zonenfußball“ mit Herausgeber Frank Willmann und Mitautorin Gabriele Damtew einen gelungenen Abschluss.  Das Fanprojekt dankt KoKont, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Landeszentrale für politische Bildung, dem F-Haus und dem FC Carl Zeiss Jena für die gute Zusammenarbeit im Rahmen der Festwoche. Den Sponsoren „Stadtwerke Energie Jena-Pößneck“, „Köstritzer Schwarzbierbrauerei“ und „ReiCo Spedition“ danken wir für die Unterstützung und den freiwilligen ehrenamtlichen Helfern für ihre fleißigen Hände, die alles erst ermöglichten.

* Buchlesungen mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung

Jena, den 18.10.2011 / Fan-Projekt Jena e.V.

 

Pressemitteilung: Polizeilicher Übergriff auf Babelsberger Fanprojektmitarbeiterin in Jena

Im Anschluss an das Drittliga-Spiel FC Carl Zeiss Jena gegen SV Babelsberg 03 kam es am Bahnhof Jena-Paradies zu Auseinandersetzungen zwischen Thüringer Polizeibeamten und Babelsberger Fußballfans.
Aus den uns vorliegenden Augenzeugenberichten und Gedächtnisprotokollen von Fans und Mitarbeitern des Babelsberger Fanprojekts geht dabei hervor, dass die hier eingesetzten Polizeibeamten mit ihrem Verhalten einen wesentlichen Anteil an der Eskalation der Situation hatten.
Die in einem noch frühen Stadium der Eskalation hinzukommende Kollegin, die Streetworkerin Barbara Paech, die an diesem Tag zur Unterstützung des Fanprojekts eingesetzt war, versuchte die Babelsberger Fans zu beruhigen und gab sich gegenüber den Polizeibeamten als Sozialarbeiterin zu erkennen, die den Wunsch hätte, die polizeilichen Maßnahmen gegen einen von den Beamten festgesetzten Fan zu begleiten. Ihr wurde von Seiten eines Beamten mitgeteilt, sie habe keine Rechte. Unmittelbar danach erhielt sie von diesem Beamten einen Schlag gegen den Oberkörper, infolgedessen sie zu Boden ging. Am Boden liegend empfing sie weitere Tritte. Im Zusammenhang mit dem Sturz erlitt sie leichte Verletzungen, u.a. eine Prellung des Steißes sowie mehrere Hämatome.
Unabhängig von der etwaigen Erfüllung von Straftatbeständen durch den eingesetzten Beamten (in Frage käme hier eine Körperverletzung im Amt) empfinden wir es als ungeheuerlichen Angriff gegen unseren Arbeitsstand, wenn Fanbetreuer_innen wohl wissentlich ob ihrer Funktion von Polizeibeamten körperlich angegriffen werden.
Mittlerweile werden die Mitarbeiter_innen der sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekte in vielen Fällen von Polizeibeamten als wichtige Vermittlungsinstanz wahrgenommen. Dass dies nicht immer der Fall ist, ist zu kritisieren.
Angriffe gegen die körperliche Integrität haben jedoch eine ganz eigene Qualität und können nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG)  erwartet, dass dieser Vorfall im Bereich der Polizeiinspektion Jena sowie in der BFE der Thüringischen Landespolizei ausgewertet wird, und eine Stellungnahme sowie eine Entschuldigung bei der betroffenen Babelsberger Kollegin erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Thomas Beckmann
BAG Sprecher