Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) sieht den aktuellen Entwurf der neuen Stadionverbotsrichtlinien kritisch. Stadionverbote sind ein tiefer Eingriff in Entwicklungsprozesse junger Menschen und damit ein Thema, das unmittelbar mit dem sozialpädagogischen Auftrag der Fanprojekte verbunden ist.
Vorab möchten wir allerdings klarstellen: Diese Pressemitteilung steht in keinem Zusammenhang zu den Ereignissen der letzten Spieltage, sondern stellt eine Gesamtbetrachtung der in Überarbeitung befindlichen neuen Stadionverbotsrichtlinien dar.
Fanprojekte begleiten seit vielen Jahren die Entwicklung der Stadionverbotsrichtlinien und haben in diesem Prozess immer wieder auf die Bedeutung von Prävention und Verhältnismäßigkeit hingewiesen. Wir verstehen unsere Aufgabe darin, die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen positiv zu begleiten. Dies ist auch im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) verankert.
Im aktuellen Überarbeitungsprozess der Richtlinien waren die Beteiligungsmöglichkeiten der Fanprojekte aus Sicht der BAG unzureichend. Zwar konnten wir zu den Folgen des im Januar vorgelegten Entwurfs Stellung nehmen und kritische Hinweise geben, eine echte inhaltliche Mitwirkung fand jedoch nicht statt. Auch bestehende Strukturen, Netzwerke und Fanorganisationen wurden nicht ausreichend einbezogen. Das Verfahren ist aus unserer Sicht kaum transparent: Es ist nicht nachvollziehbar, wer wann über welche Inhalte entscheidet und auf welcher Grundlage fachliche Perspektiven berücksichtigt werden.
Die sozialpädagogische Haltung der Fanprojekte unterscheidet sich grundlegend von einem rein sicherheitsbehördlichen Präventionsverständnis. Prävention bedeutet für uns auf Grundlage des SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz), nachhaltige Verhaltensveränderungen durch individuelle Ansprache und Begleitung zu ermöglichen. Der bloße Ausschluss von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreicht dieses Ziel nicht. Gerade im Alter zwischen Jugend und Erwachsensein kann ein Stadionverbot die Persönlichkeitsentwicklung massiv beeinflussen und im schlimmsten Fall zu Rückzug, Verhärtung oder Misstrauen gegenüber rechtlichen Normen und Institutionen führen. Deshalb muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob pädagogische Maßnahmen nicht geeigneter und zielführender wären als ein Ausschluss.
Wir lehnen es deshalb ab, die Vergabe eines Stadionverbots ausschließlich an der Schwere der vermeintlichen Tat zu orientieren.
Die BAG fordert daher konkret:
Eine verbindliche Beteiligung von Fanprojekten, Fanbeauftragten und Fanorganisationen bei der Entwicklung von Kriterien für Stadionverbotskommissionen im Hinblick darauf, wann diese gut oder schlecht arbeiten. Ein bloßer Blick auf die Zahl der verhängten Stadionverbote reicht nicht aus.
Klare Maßstäbe dafür, wann pädagogische Maßnahmen eine Alternative zu einem Stadionverbot sind. Diese sind in den Richtlinien zu verankern.
Den Verzicht auf eine verpflichtende Mindestdauer von Stadionverboten.
Eine besonders sorgfältige Begründung bei Stadionverboten gegen Jugendliche und junge Erwachsene.
Die Möglichkeit für Betroffene, sich direkt an eine unabhängige Fachaufsicht oder Ombudsstelle zu wenden.
Stadionverbote dürfen nicht zu einem Instrument von Ausgrenzung werden. Sie müssen transparent, verhältnismäßig und zielführend begründet sein. Nur so können sie in einem sinnvollen Verhältnis zu den Zielen von Prävention, Entwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe stehen.
Zur Leitfrage: „Wie gelingt sozialpädagogische Fanarbeit zwischen dem Stadion und der Alltagsrealität junger Fußballfans?“, trafen sich vom 23. bis 26. März 2026 120 Mitarbeitende der 71 Fanprojekte zu ihrer 32. Jahrestagung in Erfurt. Bereits am Montag konnten die bereits angereisten Fachkräfte zwischen Kiel und Freiburg, Mönchengladbach, Aachen und Cottbus an einem Vortrag zum Thema „Nur der RWE – Fußballfans im Visier der Stasi“ teilnehmen. Zudem gab es am Dienstagvormittag die Möglichkeit die Stadt Erfurt zu erkunden mit einer Führung zu dem Erinnerungsort „Topf&Söhne (Ofenbauer von Auschwitz)“ und einer Führung zur friedlichen Revolution in Erfurt 1989.
Doch nicht nur die Fachkräfte kamen zusammen. Auch Vertreter*innen aus Sport, Politik, Wissenschaft und Fanorganisationen waren am Dienstagnachmittag eingeladen. Begrüßt wurde auch die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, Katharina Schenk, deren Ministerium für die beiden thüringischen Fanprojekte den Landesanteil übernimmt. Die Ministerin betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Jugendhilfe im Sozialraum Fußball. Grußworte hielten auch der Sportbeauftragte der Stadt Erfurt, René Hofmann, Eric Roda Gracia als Vertreter der DFL, Christina Gassner für den DFB und Michael Gabriel für die Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj.
Danach stand dabei vor allem eines im Mittelpunkt: der intensive Austausch zu aktuellen Entwicklungen rund um den Fußball, Fankultur und unsere sozialpädagogische Arbeit. Neben einer Podiumsdiskussion zur Versachlichung der aktuellen Debatte rund um Stadionsicherheit und Fankultur mit dem Leiter der ZIS, Michael Madre, Stephanie Moldenhauer von der KoFaS, Christian Kabs vom Fanprojekt Dresden und Thomas Kirschner, Sprecher der Fanbeauftragten, bot die Tagung zahlreiche Workshops, u. a. zu Themen wie Distanzierungsarbeit, psychosoziale Problemlagen oder rechtliche Fragestellungen. Dabei wurde einmal mehr deutlich: Fanarbeit findet nicht nur am Spieltag statt, sondern begleitet junge Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. Dies verdeutlichte auch das Motto der diesjährigen Tagung – „Zwischen Anpfiff und Alltag“.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit geplanten Verschärfungen im Bereich der Stadionverbote. Hier wurde aus fachlicher Perspektive kritisch diskutiert, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Fankultur und unsere Arbeit haben können.
Im Rahmen der Tagung wurde zudem eine weitere langjährig engagierte Persönlichkeit – Ralf Zänger ehemaliger Leiter des Fanprojekt Bochum, langjähriger Sprecher der BAG-Fanprojekte und Mitgründer der AG Quali – als Ehrenmitglied der BAG geehrt. Damit würdigte die BAG seinen besonderen Einsatz für die Entwicklung und Stärkung der Fanprojektarbeit in Deutschland. An dieser Stelle erinnern wir auch an die Ehrenmitglieder Heino Hassler und Ole Wolff, die ebenfalls 2025 posthum zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden.
Ein besonderer Dank wurde außerdem Volker Körenzig, Sophia Gerschel und Sebastian Staneker ausgesprochen. Ihr Engagement im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen das Fanprojekt Karlsruhe wurde von den Teilnehmenden ausdrücklich gewürdigt.
Die Jahrestagung machte deutlich: Die sozialpädagogische Fanarbeit steht weiterhin vor großen Herausforderungen, bleibt jedoch ein unverzichtbarer Bestandteil für ein respektvolles und solidarisches Miteinander im Fußball.
Großer Dank geht an das Fanprojekt Erfurt und den Ostverbund der BAG für die Organisation und Gastfreundschaft.
Am 11. und 12. September fand das „Trägertreffen“ der Fußballverbände DFB und DFL sowie der Koordinationsstelle Fanprojekte im DFB-Campus in Frankfurt am Main statt.
Rund fünfzig Fanprojekt-Leitungen und ihre Vorgesetzten der jeweiligen sozialen Träger nahmen an den Gesprächen mit Verbandsvertreter*innen über drängende Fragen der Sozialen Arbeit der Fanprojekte teil.
Alle Begrüßungsstatements der Vertreter*innen vom Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Fußball-Liga und der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) würdigten die hohe Qualität dieser Arbeit.
Steffen Simon (DFB) hob das ungebrochene Interesse des Fußballs an der Arbeit der Fanprojekte hervor, der jüngst die Förderung der Fanprojekte erhöhte. Nun müsste die öffentliche Hand folgen, damit sich die „Deckelerhöhung“ auch auszahle. Dem schloss sich Ansgar Schwenken von der DFL vollumfänglich an. KOS-Leiter Michael Gabriel bestätigte, dass die Wertschätzung der Fachwelt angesichts der Wirksamkeit der Sozialen Arbeit mit Fußballfans sehr hoch sei. Auch wurde der zuweilen geäußerten Gefährlichkeit des Stadionerlebnisses widersprochen: Vorfälle würden sich angesichts der Masse an Zuschauenden als äußerst gering darstellen. Dies sei vor allem auch die Wirkung guter Präventionsarbeit. Mit Blick auf die Forderung aus der Innenpolitik nach einer Zentralen Stadionverbotskommission waren sich die Teilnehmenden einig, dass diese Forderung nicht zielführend sei, da an den einzelnen Standorten hoch wirksame Gremien zur Anhörung von Betroffenen arbeiten.
Steffen Kröner von der Outlaw Kinder- und Jugendhilfe berichtet als Sprecher der Trägervertretung über die Notwendigkeit des noch relativ jungen Zusammenschlusses der Fanprojektträger. So seien z.B. die Erhöhung der Förderung von Fanprojekten und arbeitsrechtliche Fragen bestimmende Themen des Austausches.
Schließlich stellten Antje Hagel und Stefan Roggenthin als Sprecher*innen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte e.V. (BAG) die neue Struktur der Selbstorganisation der Fanprojekte vor, denn mit das wichtigste sei ein guter fachlicher und vor allem kollegialer Austausch in geeigneten Gremien. Mit der neuen Struktur arbeiten mehr Kolleginnen an den internen Themen, was für alle eine Erleichterung mit sich bringe.
Mit einer Podiumsveranstaltung endete der intensive Fachtag auf dem DFB-Campus.
Vom 17. bis zum 20. März kamen die 71 sozialpädagogischen Fußball-Fanprojekte zur Jahrestagung ihrer Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Nürnberg und Fürth zusammen. An dieser Veranstaltung nahmen die Fansozialarbeit neben der Fachöffentlichkeit auch kommunale Vertreter*innen der jeweiligen Ausrichtungsorte sowie Repräsentant*innen der ansässigen Fußballclubs und der Fußballverbände teil.
Das Motto der diesjährigen Tagung lautete: „Soziale Arbeit in Konkurrenz? – Fanprojekte im lokalen Netzwerk“. Herausgestellt wurden in diesem Jahr die Anknüpfungspunkte der Fansozialarbeit an das sie umgebende Hilfesystem vor allem in den Kommunen, aber auch an Einrichtungen in Land und Bund. Daher waren neben den Mitarbeitenden der Fanprojekte auch Kolleg*innen aus der städtischen oder überregionalen Sozialen Arbeit eingeladen. Neben der geschlechtsspezifischen Gewaltprävention waren auch die Bereiche der Radikalisierungs- und Gewaltprävention sowie ganz allgemein die kommunale Jugendarbeit vor Ort vertreten. Ein Ergebnis des geplanten fachlichen Austausches liegt daher in der Intensivierung der Kooperation von Fanprojekten mit Einrichtungen an den jeweiligen Standorten. „Es ging uns in diesem Jahr darum, unsere Wirkung durch die alltägliche Kooperation und Netzwerkarbeit in der Kommune herauszustellen und sichtbar zu machen“, so der BAG-Sprecher Stefan Roggenthin vom Fanprojekt Magdeburg.
Darüber hinaus gab es Fortbildungsangebote und Workshopinhalte, die der Fansozialarbeit helfen sollen, aktuelle Aufgaben und Themen besser bewältigen zu können. Denn nicht nur die Klientel der Fanprojekte verändert sich beständig, sondern auch die Mittel, mit denen zum Beispiel kommuniziert wird. „Dieses Tagungsformat, das wir in diesem Jahr zum 31. Mal erleben durften, hilft uns bei unserer Arbeit und hinsichtlich des kollegialen Austausches sehr. Wir erlebten auch diesmal wieder, wie vielfältig und inhaltsreich unsere Form der Sozialen Arbeit ist. Nun kehren wir gestärkt und mit neuer Motivation an unsere jeweiligen Standorte zurück“, fasst die BAG-Sprecherin Antje Hagel vom Fanprojekt Offenbach die Wirkung der Fachveranstaltung zusammen.
DFB-Präsident Neuendorf von Wirksamkeit der Fanprojekte überzeugt
Bereits bei der Eröffnung der Tagung am vergangenen Dienstag zeigte sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf von der Wirksamkeit der Fanprojekte überzeugt, die regelmäßig von einem externen Institut evaluiert werden. So hebe er auch in Gesprächen mit der Politik stets das Engagement der Mitarbeitenden der Fanprojekte hervor, die Wochenende für Wochenende viele junge Menschen in den Stadien und auf Reisewegen begleiteten. Michael Gabriel von der Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS) erwähnte ebenfalls die hohe Qualität der Fanprojektarbeit, die in einer aktuellen Broschüre der KOS dokumentiert sei.
Und schließlich stärkte auch Eric Roda-Gracia von der Abteilung Fanangelegenheiten bei der DFL den Fanprojekten den Rücken, als er ihren Beitrag zur Sicherheit in Fußballstadien ansprach. „Die Fans in den Fußballstadien fühlen sich sicher“, fasste er die Ergebnisse der verbandseigenen Befragung von Stadionbesuchenden zusammen, und die Fanprojekte hätten einen Anteil hieran. Schließlich bestätigten die Vertreter*innen der lokalen Jugendhilfe sowie der Träger beider Fanprojekte in Nürnberg und Fürth den Wert für die lokale Jugendarbeit. Die Möglichkeit der Verweisung von jungen Menschen an lokale Hilfestrukturen sei für die Fanprojektarbeit eine wertvolle Ressource. Und umgekehrt erreichten die Fanprojekte Jugendliche, die von sonstigen lokalen Angeboten nicht erfasst würden.
Am letzten Tag rundete schließlich die Jahreshauptversammlung der BAG der Fanprojekte e.V. die Tagung ab, bei der sich über die interne Gremienarbeit abgestimmt wurde. Außerdem konnte mit dem städtischen Träger des neu gegründeten Fanprojektes in Ulm ein neues Mitglied in die BAG aufgenommen werden.
Die BAG der Fanprojekte bedankt sich bei den ausrichtenden Fanprojekten Nürnberg und Fürth, die für einen gelungenen Rahmen in ihren Städten gesorgt haben. Im kommenden Jahr wird das Fanprojekte Erfurt die Tagung ausrichten.
Für Rückfragen wenden Sie sich gerne an info@bag-fanprojekte.de
Vom 17. bis zum 20. März kommen die 70 sozialpädagogischen Fußball-Fanprojekte zur Jahrestagung ihrer Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Nürnberg und Fürth zusammen. Zu dieser Veranstaltung lädt die Fansozialarbeit neben der Fachöffentlichkeit auch kommunale Vertreter*innen der jeweiligen Ausrichtungsorte, von den ansässigen Fußballclubs sowie von den Fußballverbänden DFB und DFL ein.
Das Motto der diesjährigen Tagung lautet: „Soziale Arbeit in Konkurrenz? – Fanprojekte im lokalen Netzwerk“. Herausgestellt werden in diesem Jahr die Anknüpfungspunkte der Fansozialarbeit an das sie umgebende Hilfesystem vor allem in den Kommunen, aber auch an Einrichtungen in Land und Bund. Daher sind neben den Mitarbeitenden der Fanprojekte auch Kolleg*innen aus der städtischen oder bundesweiten Sozialen Arbeit eingeladen. Neben der Suchtprävention sind beispielsweise die Bereiche der Radikalisierungs- und Gewaltprävention sowie ganz allgemein die kommunale Jugendarbeit vor Ort vertreten. Ein Ergebnis des geplanten fachlichen Austausches könnte eine Verbesserung und Intensivierung der Kooperation von Fanprojekten mit Einrichtungen an den jeweiligen Standorten der Fanprojekte sein. „Es geht uns in diesem Jahr darum, unsere Wirkung durch die alltägliche Kooperation und Netzwerkarbeit in der Kommune herauszustellen und sichtbar zu machen“, so der BAG-Sprecher Stefan Roggenthin vom Fanprojekt Magdeburg.
Darüber hinaus gibt es weitere Fortbildungsangebote und Workshopinhalte, die der Fansozialarbeit helfen sollen, aktuelle Aufgaben und Themen besser bewältigen zu können. „Dieses Tagungsformat, das wir in diesem Jahr zum 31. Mal erleben dürfen, hilft uns bei unserer Arbeit und hinsichtlich des kollegialen Austausches sehr. Wir freuen uns schon auf die Tagung, kehren wir doch immer gestärkt und mit neuer Motivation an unsere jeweiligen Standorte zurück“, fasst die BAG-Sprecherin Antje Hagel vom Fanprojekt Offenbach die Wirkung der Fachveranstaltung zusammen. Am letzten Tag rundet schließlich die Jahreshauptversammlung des Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte e.V. die Tagung ab, bei der über die interne Gremienarbeit gesprochen wird. Hierbei sind die Fansozialarbeiter*innen dann wieder unter sich.
In einem Eineinhalbjährigen Prozess hat sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte eine neue Struktur gegeben.
Zunächst möchte sich die BAG auch öffentlich noch einmal ausdrücklich bei Sophia Gerschel und Christian Keppler sehr herzlich für die jahrelange Arbeit als Bundesprecherin und Bundessprecher für die BAG der Fanprojekte bedanken. Trotz der immer größer werdenden Aufgabenfülle und den Herausforderungen gelang es ihnen immer alle anstehenden Aufgaben zu meistern und höchst transparent ihre Funktion auszuüben.
Es wurde in der Vergangenheit immer schwieriger und komplexer, die Rolle der Bundessprecherin und des Bundessprechers der Bundesarbeitsgemeinschaft aus dem eigenen Fanprojekt neben der eigenen Fanprojektarbeit zusätzlich auszuüben, wodurch sich niemand 2023 zur Kandidatur für die beiden Positionen stellte.
Als es dann im März 2023 keine Wahl geben konnte, war allen Beteiligten klar, dass es eines Organisationsentwicklungsprozesses bedarf, um die vielfältigen Anforderungen nach Innen und Außen bewerkstelligen zu können. Die gewählten acht Regionalverbundsprecher*innen überbrückten mit großartiger Hilfe von Sophia Gerschel die Vakanz bis Ende Mai 2024.
Kern des Ergebnisses der Neustrukturierung ist eine breitere Aufgabenverteilung und ein vergrößertes Vertreter*innengremium, bestehend aus jeweils drei Regionalverbund-sprecher*innen und sechs Delegierte aus verschiedenen Fachbereichen. In den Verbünden Nord, Ost, Süd und West wurden dementsprechend im Mai 2024 jeweils drei Personen als Regionalverbundsprecher*innen gewählt, wobei eine Kolleg*in nun aus dem Verbund den Arbeitsschwerpunkt auf bundesweite Aufgaben richtet.
Jeder Verbund hat dafür gewählt mit folgendem Ergebnis:
Südverbund:
Antje Hagel (Fanprojekt Offenbach) – bundesweite Aufgaben
Simon Albrecht (Fanprojekt Freiburg)
Daniel Metz (Kickers Fanprojekt Stuttgart)
Die weiteren delegierten Personen werden sukzessive benannt und veröffentlicht.
Wir bedanken uns hiermit zudem sehr herzlich bei allen Beteiligten an dem Umstrukturierungsprozess und bei allen Kolleg*innen aus den 70 Fanprojekten in Deutschland für ihr Vertrauen.
Der 30. April 2024 wird in die Geschichte der bundesweiten Fanprojekt-Landschaft eingehen – wenn auch auf eine Art und Weise, die wir uns alle wohl gern erspart hätten. Denn am 30. April 2024 muss mit dem Fanprojekt Neustrelitz erstmals ein Projekt aus finanziellen Zwängen seine Arbeit einstellen.
Neun Jahre hatten die Kolleginnen und Kollegen am dortigen Standort wichtige Sozialarbeit mit jungen Menschen der dortigen Fanszene geleistet. Eine Arbeit, die an einem kleinen Standort wie eben Neustrelitz einen unschätzbaren Wirkungsgrad hat und fester Bestandteil des dortigen Alltags junger Menschen war.
Umso unverständlicher ist es, dass der dortige Standort nach alleiniger Entscheidung des Trägers seine Arbeit nun beenden muss. Das ist ein Novum und aus Sicht der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) ein trauriger Einschnitt.
Wie keine andere Sportart begeistert der Fußball junge Menschen, lockt von Neustrelitz bis Oberhausen, von Hamburg bis München Jugendliche in die Stadien, lässt sie teilhaben an sportlichen und gesellschaftlichen Prozessen. Dass nun ausgerechnet in diesem, aus der Gesellschaft kaum wegzudenkenden, Bereich soziale Einrichtungen in finanziell akute Schieflage geraten, ist kaum erklärbar. Mehr denn je ist es an der Zeit, die Mittel für Fanprojekte auskömmlich zu gestalten! Der Fall Neustrelitz darf sich in keinem Fall wiederholen – und natürlich steht die BAG der Fanprojekte solidarisch an der Seite der dortigen Kolleginnen und Kollegen. Ihr habt phantastische Arbeit geleistet, wart und bleibt ein wichtiger Bestandteil unseres Netzwerks!
Sozialpädagogische Fanprojekte fordern Ausweitung der Finanzierungsbereitschaft
So lautete auch passend der Titel zur Tagung “Financial Fairplay – Qualität in der sozialpädagogischen Fanarbeit nachhaltig sichern“. Vor dem Hintergrund gesellschaftlich herausfordernder Zeiten treffen sich die Mitarbeitenden der bundesweiten Fußball-Fanprojekte zur 30. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) derzeit im Zentrum Altenberg in Oberhausen: „Die Soziale Arbeit mit Fußballfans wird immer wichtiger, der Bedarf steigt rasant. Es braucht daher eine zeitnahe Ausweitung der Finanzierungsbereitschaft für Fanprojekte“, forderten Stella Schrey und Florian Kovatsch, Sprecher*innen des BAG-Westverbunds, anlässlich der Eröffnung der Tagung am Dienstag, 19. März.
Etwa 130 Fanprojekt-Mitarbeitende aus dem gesamten Bundesgebiet sind für insgesamt drei Tage nach Oberhausen gereist und werden sich in verschiedenen Workshops inhaltlich fortbilden. Bei der Auftaktveranstaltung am Dienstag durften außerdem Vertreter*innen des DFB und DFL, die Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS), die Stadt Oberhausen, das CVJM Oberhausen, die LAG der Fanprojekte NRW sowie eine Vertreterin des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen begrüßt werden. Alle angereisten Fanprojekt-Mitarbeiter*innen erhoffen sie sich von der Tagung, die unter dem Motto „Financial Fairplay – Qualität in der sozialpädagogischen Fanarbeit nachhaltig sichern“ stattfindet, eine grundlegende Signalwirkung: „Die Soziale Arbeit im Fußball hat sich professionalisiert und kontinuierlich weiterentwickelt, Fanprojekte genießen ein hohes Ansehen in ihrer Zielgruppe. Gleichzeitig belasten Inflation und steigende Kosten die Standorte zunehmend. Wir brauchen daher nachhaltige Lösungen, um den Fanprojekt-Standorten und ihren Mitarbeitenden Planungssicherheit geben zu können. Wenn einzelne Standorte ihre Arbeit einzig und alleine aufgrund finanzieller Belastungen einschränken oder ganz aufgeben müssten, ist das ein fatales Signal“, betonen Schrey und Kovatsch. Die Tagung in Oberhausen solle daher ein Aufruf sein, die Fanprojektarbeit langfristig zu sichern und für ihre Professionalität angemessen auszustatten. Schließlich sei die Rolle von Fanprojekten als Brückenbauer zwischen jungen Menschen und ihrem sozialen Umfeld, Vereinen, Verbänden sowie Polizei wichtiger denn je. Dass der Nationale Ausschuss Sport und Sicherheit (NASS) eine entsprechende Arbeitsgruppe zur Fanprojektfinanzierung gegründet habe, sei daher ein Schritt in die richtige Richtung: „Wir sind uns sicher, dass sich die aktuellen Mittelgeber – Verbände, Kommunen und Länder – der Bedeutung und Wirksamkeit von Fanprojektarbeit bewusst sind. Jetzt muss die Förderkulisse endlich der Realität angepasst werden“, so Schrey und Kovatsch.
Zuletzt nutzten die Teilnehmenden den Tagungsauftakt für ein Zeichen der Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen des Fanprojekts Karlsruhe. Diese hatten zuletzt Strafbefehle erhalten, weil sie im Rahmen ihrer professionellen Tätigkeit erhaltenes Wissen aus einem zugesagt geschützten Raum nicht an Ermittlungsbehörden weitergeben wollten: „Diese traurige Eskalation demonstriert mehr denn je, dass die Soziale Arbeit endlich ein Zeugnisverweigerungsrecht benötigt. Die gesamte BAG steht daher solidarisch an der Seite der Kolleginnen und Kollegen in Karlsruhe“, unterstrichen Schrey und Kovatsch.
Am 16.11.2023 besuchte der Regionalverbund Ost der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte den Bundestag und führte Gespräche mit den Bundestagsabgeordneten Tino Sorge (CDU) und Boris Mijatović (B90/G). Im Fokus stand das fehlende Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit und insbesondere der Jugend- und Jugendsozialarbeit mit Fußballfans.
Wir bedanken uns für die sehr guten Gespräche und die Gastfreundschaft und freuen uns auf den kommenden Austausch.
Der Besuch im Bundestag fand im Anschluss an die turnusmäßige Sitzung am Vortag des Verbundes im Fanprojekt Babelsberg statt.
Immer wiedwerden Sozialarbeiter*innen durch Polizeidienststellener oder Staatsanwaltschaften vorgeladen, um über die eigene Klientel auszusagen. Das fehlende Zeugnisverweigerungsrecht für Mitarbeitende der Sozialen Arbeit schränkt ihre Wirksamkeit ein und behindert vertrauensvolle, aber essenzielle Beziehungen zu verschiedenen Zielgruppen. Elvira Berndt (Geschäftsführerin Gangway e.V.- Streetwork Berlin) konstatiert dies eindrucksvoll in ihrem Eröffnungsvortrag: „Sozialarbeiter*innen müssen verschwiegen sein. Sie arbeiten mit offenen Armen und ohne äußeren Schutz. Ihr einziges Kapital dabei ist: Vertrauen. Und der einzig wirkliche Schutz, den die Gesellschaft unseren Kolleginnen und Kollegen geben kann, ist der Schutz dieses oft hart und über Jahre erarbeiteten Vertrauens. Es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft dies auch tut. Ganz im Sinne des Mottos der heutigen Fachveranstaltung: 50 Jahre sind genug!“
Gemeinsam mit Elvira Berndt, diskutierten Vertreter*innen der Regierungsfraktionen MdB Philipp Hartewig (FDP) und MdB Denise Loop (B90/G) mit dem Leiter des Fanprojekts Dresden Ronald Beć und Rechtsanwalt René Lau in einem von Christoph Ruf (Journalist) moderierten Podiumsgespräch über das fünfzig Jahre alte Urteil des BVerfG sowie aktuelle Perspektiven auf die Frage des dringend notwendigen Zeugnisverweigerungsrechts für die Soziale Arbeit. Über die gesellschaftspolitische Notwendigkeit des besonderen Schutzes des Vertrauensverhältnisses zwischen Sozialarbeiter*innen und ihren Adressat*innen und der damit einhergehenden politischen Verantwortung waren sich die Podiumsteilnehmer*innen einig. „Das Vertrauensverhältnis ist Grundlage jeglicher fachlichen Arbeit“, so Denise Loop. Philipp Hartewig sieht im Rahmen der Professionalisierung der Sozialen Arbeit eine wachsende Bedeutung des Vertrauensschutzes. Der Status quo des § 53 StPO gefährde jedoch den Erfolg sozialarbeiterischen Handelns. Vor dem Hintergrund des angestrebten Reformprozesses handele es sich nach René Lau auch um einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess, in dem das Spannungsverhältnis zwischen repressiven und solchen staatlichen Interventionen, die offen-unterstützende und resozialisierende Wirkung entfalten können, verhandelt wird. Fachpolitische Debatten müssen intensiviert werden und „Sozialarbeiter*innen müssen sich mit ihrer besonderen Verantwortung auseinandersetzen“, so Ronald Beć.
Soziarbeitende, die für das Ausüben ihrer Profession in Beugehaft gehen würden, sollten aber das letzte Mittel sein, so Matthias Stein (Sprecher des BfZ). In einer Bündnissitzung am folgenden Tag berieten die Mitgliedsorganisationen und Unterstützer*innen wie das fehlende Zeugnisverweigerungsrecht Teil des politischen Parlamentsdiskurses wird.
Weitere Informationen und Unterlagen finden Sie auf unserer Homepage www.zeugnis-verweigern.de.
Matthias Stein Sprecher des Bündnisses für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit (BfZ) ms@fanprojekt-jena.de 0173-3970701
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