Aktuelles

Pressemitteilung: 28. Jahrestagung der BAG der Fanprojekte

„Es fährt kein Zug nach Nirgendwo – Fanprojektarbeit in ländlichen Räumen“

Unter diesem Titel fand die diesjährige Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) auf dem Rabenberg im Erzgebirge statt. Es war dabei nicht überraschend, dass sich schon auf der Talkrunde zur Eröffnungsveranstaltung die Fragen um Angebotsdichte und Erreichbarkeit, Netzwerkbildung, Anonymität oder politische Strukturen drehten und damit Unterschiede zu großen Metropolenregionen schlagwortartig beschreiben. Und natürlich sind diese Unterschieden den Akteuren Sozialer Arbeit im ländlichen Raum, und damit auch Fanprojekten, wohl bekannt. Doch worin differenziert sich die Arbeit in Dortmund und in Plauen? Was macht es aus, wenn 80.000 oder 5.000 Zuschauer*innen im Stadion sind? Braucht es überhaupt Soziale Arbeit mit Jugendlichen in ländlichen Räumen? Das VIII. Sozialgesetzbuch beantwortet diese Frage gleich im ersten Satz: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ Es braucht also nicht über eine Notwendigkeit gesprochen werden, vielmehr muss festgestellt werden, dass die vorhandenen Angebote nicht ausreichen oder schlecht greifen. Klaus Farin kritisierte in seinem Inputreferat im Rahmen der Auftaktveranstaltung in den Zinnkammern Pöhla e.V., das seit Jahren dieselben Fehler begangen würden. Jugendliche werden schlecht einbezogen, können nicht mitbestimmen und ihre Bedürfnisse werden von Erwachsenen eher vermutet als tatsächlich gemeinsam mit ihnen identifiziert. So würde beispielsweise in keinem einzigen Beirat der Verkehrsverbünde auch nur ein*e Jugendliche*r sitzen, und das, wo gerade die schlechte Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr eine große Herausforderung für junge Menschen ist. Dieser Umgang der Erwachsenenwelt mit jungen Menschen ist schwer verständlich, sind doch gerade ländlichere Gebiete auf die Jugendlichen angewiesen. Und die wollen, aktuellen Studien zufolge, auch gerne bleiben. Fanprojekte haben an dieser Stelle entscheidende Vorteile. Die Leidenschaft für Fußball und einen Verein verbindet und bringt junge Fans aus der Region in den Stadien zusammen. Eine ideale Voraussetzung für die Kontaktaufnahme und Beziehungsarbeit durch die Sozialarbeiter*innen gerade in Regionen, wo es wenig vergleichbare Angebote Sozialer Arbeit gibt. Die Fansozialarbeit orientiert sich mit ihren partizipativen und offenen Angeboten an den Bedarfen der Fans und ihrer Lebenswelt. Dabei reicht das Portfolio von Beratungsangeboten, über das zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten und weiterer Infrastruktur, Outdooraktivitäten oder U18-Fahrten zu Auswärtsspielen. Damit sind Fanprojekte – gerade in ländlichen Räumen – ein unverzichtbarer Bestandteil der ausgedünnten Hilfelandschaft, darüber waren sich die Podiumsgäste einig.

Der zweite Tagungstag beinhaltete eine Vielzahl von Workshops. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Konzipierung erlebnispädagogischer Angebote, welche abseits von Großstädten und Ballungsgebieten einfach realisiert werden können. Die Tagung endete mit der turnusmäßigen Mitgliederversammlung der BAG Fanprojekte e.V. Die nächste Tagung wird im März 2023 in Lübeck stattfinden.

 

Sophia Gerschel/Christian Keppler

BAG Sprecher*innen

 

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Soziale Arbeit im Fußball – Theorie und Praxis sozialpädagogischer Fanprojekte

Seit weit mehr als 30 Jahren gibt es nun schon Soziale Arbeit im Fußball und in den sozialpädagogischen Fanprojekten. Lange Zeit fehlte diesem speziellen Berufsfeld in der Sozialen Arbeit ein eigenes Grundlagenbuch mit wissenschaftlicher und fachlicher Beschreibung der Arbeit. Patrick Arnold und Jochem Kotthaus haben sich gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus den sozialpädagogischen Fanprojekten sowie mit Experten und Expertinnen aus dem Fachgebiet Soziale Arbeit mit Fußballfans, der Aufgabe gewidmet eben dieses Grundlagen Buch zu erschaffen. Unter dem Titel: „Soziale Arbeit im Fußball – Theorie und Praxis sozialpädagogischen Fanprojekte“ erschien es jetzt beim Beltz-Juventa Verlag.

„Fanprojekte in Zusammenarbeit mit Fußballvereinen gewinnen zunehmend an Bedeutung – allein, es fehlt an der umfassenden Dokumentation und Analyse der Bedeutung für die Soziale Arbeit. Das ändert sich mit diesem Band: Gänzlich neu ist dabei die »Doppelperspektive« der Beiträge, die zum großen Teil von Praktiker_innen und Akademiker_innen gemeinsam verfasst wurden. Dabei beschäftigen sich die Beiträger_innen weitreichend mit der Arbeit der Fanprojekte und zugehörigen Themen, etwa Gewaltprävention, Unterstützung von Fans, Bildungsarbeit, antisexistischer Arbeit, aber auch Methodenkritik und Burn-out/Belastung der Mitarbeiter_innen. Ein Grundlagenwerk für die Fansozialarbeit!“

Weitere Infos zum Buch findet ihr auf der Seite des Beltz-Juventa Verlages.


Für einen inklusiven, offenen und toleranten Sport – „Meldestelle für Diskrimi-nierung im Fußball in NRW“ (MeDiF-NRW) nimmt seine Arbeit auf!

Bochum, 27.01.2022: Mehr als in anderen Sportarten werden im Fußball gesellschaftspolitische Erschei-nungen sichtbar. Die Ausdrucksformen sind vielfältig (Gewalt, Diskriminierung, Ethnisierung etc.). Gleich-zeitig kann der Fußball diese sozialen Tendenzen und Phänomene mit seinen Strukturen beeinflussen und kreativ mitgestalten. Der Fußball in seiner Vielfalt ist damit als wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur zu begreifen. Eine Kategorisierung, statistische Verarbeitung und analytische Auswertung von diskriminieren-den Vorfällen finden jedoch bislang trotz der regelmäßigen Erhebung von Daten im Bereich Gewalt (ZIS-Berichte) nicht statt.

Um dieser Aufgabe in Nordrhein-Westfalen gerecht zu werden, wurde das Pilotprojekt einer internetme-diatisierten „Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW“ (kurz: MeDiF-NRW) eingerichtet. Es schafft für das bevölkerungsreichste Bundesland ein Forum, damit derartige Vorfälle erstmalig systematisch und nach transparenten Kriterien gesammelt, dokumentiert und ausgewertet werden. Finanziert wird das Pro-jekt durch die Staatskanzlei NRW und das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW.

Das Ziel des Vorhabens besteht in der Etablierung einer Anlaufstelle für Vereine und ihre Mitglieder, Fans, Fangruppen, Organisationen im Profi- wie Amateurbereich oder sonstige Akteur*innen rund um den Fuß-ballsport, an die sich Betroffene und Zeug*innen diskriminierender Vorfälle sowie Strukturen wenden kön-nen und professionell Unterstützung erfahren. Zugleich gewährleistet die Meldestelle gesellschaftliche So-lidarität und ermöglicht eine Sensibilisierung gegenüber Betroffenen, deren Stellung im komplexen Span-nungsfeld zwischen Politik, Sport und Gesellschaft bislang oftmals vernachlässigt wurde.

Angesiedelt bei der LAG Fanprojekte NRW erfolgen sämtliche Arbeitsschritte in enger Abstimmung und Kooperation mit einem breit gefächerten Netzwerkverbund. Hierzu gehören Vereine (Profi- und Amateur-bereich), Verbände (inkl. Fußballverbände auf Landesebene, Fußballkreise), Bünde im „Sportland NRW“, Schulen (z.B. Schule gegen Rechtsextremismus), universitäre Institutionen (z.B. Ruhr-Universität Bochum) sowie zivilgesellschaftliche Organisationen, die im Feld Rechtsextremismusprävention, Demokratieförde-rung und Politische Bildung aktiv sind (z.B. Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus NRW und Opfer-beratungen in NRW).

Die Meldestelle wird am 01.07.2022 auf der eigens erstellten Homepage online gehen. Hiermit laden wir bis dahin alle an einer Vernetzung und Kooperation interessierten Fußballvereine im Profi- wie Amateur-bereich dazu ein, sich unter der Mailadresse info@medif-nrw.de bei uns zu melden. Gerne geben wir Ihnen einen vertiefenden Einblick in das Projekt und legen Ihnen dar, wie eine zukünftige Zusammenar-beit aussehen kann. Des Weiteren möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2022 eine „Befragung zu Diskriminierungserfahrungen im Kontext des Fußballs in NRW“ durch die Meldestelle initiiert und durchgeführt wird. Wir würden uns über eine rege Unterstützung zur Verbrei-tung und Teilnahme an der Befragung freuen. Für weitere Fragen oder als Möglichkeit zum Austausch folgen Sie uns auch gerne auf Twitter: https://twitter.com/medif_nrw.

Ihr MeDiF-NRW Team

Lisa Krawczyk              Dr. David Berchem                     Patrick Arnold
MeDiF-NRW           Ruhr-Universität Bochum       LAG Fanprojekte NRW

O-Töne:
„Mit der Meldestelle für Diskriminierung wird eine institutionelle Schnittstelle geschaffen, bei der erstmals diskriminierende Vorfälle rund um den Fußballsport in NRW systematisch erfasst werden. Diese Klarheit soll uns daran erinnern, dass wir auf eine Zukunft ohne Diskriminierung im Fußball hinarbeiten müssen, um allen Personen die Teilhabe am Fußball zu ermöglichen und diese nachhaltig zu verbessern.“ Lisa Krawczyk, M.A. Soziale Arbeit, Projektmitarbeiterin MeDiF-NRW

„Ziel ist es, Diskriminierung im Fußball sichtbar zu machen, Akteure zu sensibilisieren und allen voran na-türlich den Betroffenen von Diskriminierung ein Unterstützungsangebot zu machen. Das gut funktionie-rende Netzwerk der Fanprojekte in weite Teile des sport- und gesellschaftspolitischen Bereiches des Lan-des wird bei der praktischen Umsetzung einer Antidiskriminierungsstelle im NRW-Fußball hilfreich sein.“ Patrick Arnold, Diplom Sozialpädagoge, Leiter der Fachstelle der Fanprojekte in NRW mit Sitz in Bochum

„Eine unabhängige Antidiskriminierungsstelle macht aus wissenschaftlicher Betrachtungsweise Sinn, weil vertiefte Einblicke in Fußball(fan)kulturen sowie eine nachhaltige Vernetzung dabei helfen, gesellschaft-liche Probleme zu verstehen und den Fußball zum Sport Aller zu machen.“ Dr. David Berchem, Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Ruhr-Universität Bochum

Zur Pressemitteilung: PM MeDiF Hello


Unsere Kurve e.V. zur strengeren Regulierung von Sportwetten

Positionspapier: Umgehend strengere Regulierung von Sportwetten

Mit einem Umsatz von ca. 9 Mrd. € pro Jahr bewegt die Sportwetten-Branche alleine in Deutschland astronomische Summen. Alle wissen es: Sportwetten bieten enormes Sucht- und Gefährdungspotenzial. Der Fußball-Betrieb profitiert durch Kooperations- und Sponsoring-Verträge mit Sportwetten-Anbietern, ohne seiner gesellschaftlichen Verantwortung ausreichend gerecht zu werden. Die Akteure im Fußball haben viel zu sehr den Profit im Blick. Das muss sich dringend ändern, denn Studien und Repräsentativerhebungen zeigen:

  • In Deutschland sind ca. 500.000 Menschen spielsüchtig oder weisen problematisches
    Glücksspielverhalten auf. Sportwetten haben daran einen bedeutenden Anteil, Tendenz steigend.
  • Pro glücksspielsüchtige Person sind bis zu 15 weitere Menschen des persönlichen Umfelds betroffen und leiden unter den negativen psychosozialen und finanziellen Auswirkungen.
  • Trotz Verboten stellen Glücksspiele für die über 9 Mio. Jugendlichen in Deutschland einen integralen Bestandteil ihrer Lebenswirklichkeit dar. So weist die Mehrheit der Minderjährigen Glücksspielerfahrungen auf, etwa ein Drittel hat in den letzten 12 Monaten gezockt.
  • Schon 2016 stammte jeder fünfte Euro der Einnahmen im Bereich der Sport- und Pferdewetten von süchtigen Spielenden. Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen aufgrund der Marktentwicklung heute deutlich höher sind.
  • Im Fußball weisen etwa 10% der Profi- bzw. Breitensportler*innen problematisches Spielverhalten im Zusammenhang mit Glücksspiel, besonders mit Sportwetten, auf. Wir fordern die Politik auf, Werbung für Sportwetten im öffentlichen Raum umgehend stärker zu reglementieren sowie intensive Aufklärung und Prävention zu betreiben. Von Fußballverbänden und –vereinen fordern wir einen Verzicht auf Kooperationen und Sponsoring-Verträge mit Sportwetten- Anbietern. Bei noch bestehenden Verträgen fordern wir Einschränkungen bei der Sichtbarkeit von Werbung für Sportwetten sowie eine finanzielle Beteiligung an unabhängiger Aufklärungs- und Präventionsarbeit. […]

Gesamtes Positionspapier: Unsere-Kurve.de


Prävention ist Sache der sozialpädagogischen Fanarbeit und nicht der Justiz

Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG)

Dass der Bundesgerichtshof (BGH) heute (04.11.21) dem Deutschen Fußballbund (DFB) in der Frage „Zur Haftung der Fußballvereine für das Verhalten ihrer Anhänger“ bezüglich seiner Verbandsstrafen und der Umsetzung des Verbandsrechts Recht gibt, damit konnte man rechnen. Die Begründung aber, die dem Urteil zugrunde liegt ist aus Sicht professioneller Fanarbeit mindestens zu hinterfragen. „Geldstrafen als Prävention zu bezeichnen und damit ihre Wirkungen auf Vereine und Fans zu erklären, ist nur schwer nachvollziehbar“, kommentiert die Sprecherin der BAG der Fanprojekte Sophia Gerschel das Urteil des BGH.

„Die Begründung, dass diese Geldstrafen keine Strafen sind, sondern als Prävention verstanden werden sollen, können wir als Vertreter*innen der Fanarbeit nicht nachvollziehen“, so die Fanprojekte-Sprecherin weiter. Es werden vom DFB-Sportgericht Strafen ausgesprochen, die von den Vereinen getragen werden müssen. So kommt die gängige Praxis in der Sportgerichtsbarkeit zumindest bei Fans und Vereinsvertreter*innen an. Diese Art und Weise des Verbandsrechts führt in der Realität nicht dazu, dass dadurch mehr konstruktive Kommunikation und Austausch zwischen Fans und Vereinen stattfindet. Viel mehr werden hier „Schuldige“ gesucht und Verantwortung übertragen. Prävention findet vor den Spielen, unter der Woche, während der Spiele im Dialog mit den Fans, der professionellen Fanarbeit und den Vereinen statt. Hier werden Beziehungen und Vertrauen aufgebaut, die dazu führen, dass präventiv mit Fans, Verein und auch anderen Institutionen gearbeitet werden kann. Dem entgegenstehend suchen Vereine inzwischen nach Wegen, die „Geldstrafen“ an Fans und Einzelpersonen weiterzureichen. Strafen, die im Verhältnis zu Vereinen in ihrer Höhe ausgesprochen werden und dann, ohne Anpassung an die Verhältnisse, auf Einzelpersonen umgelegt werden. Diese Bestrebungen unterminieren jedwede präventive Wirkung von Sanktionen. Dabei gehen Vereine in keinen konstruktiven Dialog mit Fans, sondern setzen den bestehenden Austausch mit den Fans aufs Spiel und gehen die Gefahr ein, die Kommunikationsstrukturen damit zu schwächen.

Eine weitere fehlgehende Argumentation des Gerichts bezieht sich auf die Sicherheitsvorkehrungen. Vereine müssen schon jetzt unzählige sicherheitsrelevante Maßnahmen umsetzen, um am Spielbetrieb teilnehmen zu können. Immer mit der Konsequenz, dass Fans weiter eingeschränkt und intensiver überprüft werden! Egal ob am Einlass, bei Tickets, mit Kameraüberwachung uvm. Zu begründen, dass Geldstrafen präventiv Vereine dazu animieren, noch mehr Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, lässt alle Bemühungen und bestehenden Konzepte unbeachtet und die Konsequenzen dieser Maßnahmen für alle Zuschauer*innen außer Acht.

Geldstrafen sind Strafen. Die präventive Wirkung von Strafen auf zukünftiges Verhalten ist nachweislich fraglich. Prävention setzt vor dem Verhalten an und arbeitet mit Aufklärung, Sensibilisierung und Kommunikation. Strafe kommuniziert nicht, Strafe verurteilt. Genauso wie Geldstrafen die Vereine verurteilt und zukünftige Prävention durch den finanziellen Aufwand sogar verhindern kann, weil die Vereine Geld in Strafen investieren müssen und für die präventive Arbeit nicht mehr aufwenden können.

„Unabhängig des getroffenen Urteils sind wir, die BAG der Fanprojekte, nach wie vor der Ansicht, dass Dialog, Austausch, Wertschätzung und Wahrnehmung der Interessen von Fußballfans nach wie vor die grundlegende Aufgabe der Vereine, der professionellen Fanarbeit und der Verbände ist. Prävention findet vor, während und nach den Spielen, in einem langfristigen Austausch und entsprechender Beziehungsarbeit statt, unabhängig von Strafen oder eventuellem Fehlverhalten, so die Vertreterin der Fanprojekte.


Bewegte Zeiten für die Fansozialarbeit – 27. Jahrestagung der BAG der Fanprojekte

Unter dem Titel „Fußball ist immer noch wichtig – Bewegte Zeiten für die Fansozialarbeit“ fand vom 7. bis 9. September die 27. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in Mainz statt. Nach mehr als zweieinhalb Jahren war es die erste Fachtagung der bundesweit organisierten Fanprojekte, die wieder stattfinden konnte.

Neben Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, nahmen Fachkräfte aus den Fanprojekten und weitere geladene Gäste aus den Bereichen Fanorganisationen, Fußball, Politik oder auch der Polizei an der Eröffnungsveranstaltung teil.  Das Podiumsgespräch zum Tagungsthema machte deutlich, welchen Herausforderungen sich Jugendliche und junge Heranwachsende Fußballfans stellen müssen. So berichtete die Präsidentin der Psychotherapeut*innen-Kammer Rheinland-Pfalz, Sabine Maur, dass während der Kontaktbeschränkungen für Jugendliche und junge Erwachsene Prozesse, die in der Jugend prägend sind und identitätsbildende Erfahrungen einfach wegfielen. Nachteile durch die Pandemie hätten vor allem finanziell schlechter Gestellte und Jugendliche, die über wenig Ressourcen verfügen, erfahren. Dies äußerte sich durch ein höheres Aufkommen an depressiven Stimmungen und Essstörungen und auch der Medienkonsum stieg bei 14- bis 23jährigen stark an. Hierauf habe die Politik zu wenig geachtet. Viele hätten die Anpassungsleistungen, die die Pandemie erforderte, nicht leisten können.

Auch für die Fanprojekte war eine schnelle Anpassung an die neue Situation unausweichlich. Alle Teilnehmer*innen haben auf die verschiedenen Herausforderungen für Fans, Fanarbeit, Hilfebedürftige und Systeme hingewiesen. Die sozialpädagogische Fanarbeit, die normalerweise von Begegnung und persönlichen Kontakten lebt, musste in kurzer Zeit Wege finden, Fußballfans und deren Anliegen neu, aber ohne direkte Nähe, zu begleiten und zu unterstützen. Jana Spengler, Leiterin des Fanprojekt Darmstadt, betont in diesem Zusammenhang: „Die grundsätzliche Flexibilität der Fanprojekte und ihrer pädagogischen Arbeit machten Angebote und Unterstützung für Fußballfans in diesen Zeiten und auch zukünftig möglich.“ Die Orientierung der Fanprojekte an den Bedürfnissen junger Menschen hat und wird auch weiterhin dazu beitragen, die Interessen der Fußballfans in den neuen Rahmenbedingungen wahrzunehmen und zu begleiten, gemeinsam im Netzwerk zu diskutieren und letztendlich auch die eigenen Arbeitsansätze und Methoden weiterzuentwickeln.

Auf der dreitägigen Jahrestagung haben die Mitarbeiter*innen der Fanprojekte die Arbeit in den zurückliegenden Monaten und Jahren u.a. in zehn Workshops reflektiert und über zukünftige Herausforderungen gesprochen. Die Tagung endete am dritten Tag mit der Mitgliederversammlung, in der Sophia Gerschel (Fanprojekt Karlsruhe) und Christian Keppler (Fanprojekt Jena) erneut das Vertrauen als Bundessprecher*in für ihre nun dritte Amtsperiode erhielten.

Die Tagung hat deutlich gezeigt: Ja, der Fußball ist immer noch wichtig und die Soziale Arbeit mit Fußballfans damit auch! Nicht nur während der Pandemie hat sich die Arbeit der Fanprojekte auf neue Gegebenheiten eingestellt und bewährt. Ein wichtiger Erfolgsfaktor bleibt damit das langfristige, stabile und Spielklassen unabhängige Bekenntnis aller Förderer zur weltweit einmaligen Idee „Fanprojekte nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“.

Sophia Gerschel/Christian Keppler
BAG Sprecher*innen


Fanprojekt Dresden – Rückblick auf die Geschehnisse am 16.05.2021

Am vergangenen Montag haben wir in einer ersten Stellungnahme die Aufarbeitung der Ereignisse rund um das Spiel der SG Dynamo Dresden gegen Türkgücü München vom 16.05.2021 angekündigt. Die Hintergründe der Eskalationen sind vielfältig. Die folgenden Ausführungen stellen für uns keine abschließende Bewertung dar, sondern sollen vielmehr Ausgangspunkt für weitere Analysen gemeinsam mit verschiedenen relevanten Akteuren, z.B. Verein, Fans, Polizei und Stadt, dienen.

fanprojekt-dresden.de/stellungnahme


PM: BAG begrüßt neue Beschlüsse zur Fanprojektfinanzierung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) begrüßt die neuen Beschlüsse des DFB-Präsidiums bezüglich der Fanprojektfinanzierung.

Am 11. September 2020 beschloss der DFB zunächst, die Finanzierung der Fanprojekte bis Mitte des Jahres 2022 auf dem Ausgabenniveau von 2020 einzufrieren und keine neuen Fanprojekte in seinem Zuständigkeitsbereich zu finanzieren. Das hätte einige Standorte unmittelbar vor Haushaltsschwierigkeiten gestellt und teils weit fortgeschrittenen Gespräche zur Neugründung – gerade in Ingolstadt- ad absurdum geführt.

Die aktuelle Finanzierungsrichtlinie hat nun Gültigkeit bis Ende 2022. Bis dahin wird es keine Kürzungen geben. Der DFB beteiligt sich weiterhin mit 50% an der Finanzierung der Fanprojekte. Zudem wurde beschlossen, dass die Einrichtung neuer Fanprojektstandorte wie beispielsweise Ingolstadt oder Würzburg möglich sind.

Dieser Beschluss sichert vorerst nicht nur die Fanprojekte, die in die Zuständigkeit des DFB fallen (alle Fanprojekte mit einem Bezugsverein unterhalb der ersten beiden Ligen), sondern ist insbesondere eine wichtige Grundlage für die weiterführenden intensiven Diskussionen und Prozesse, um die Fanprojektarbeit auch über das Jahr 2022 hinaus zu sichern und das einzigartige Netzwerk der sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekte zu stärken. Am Ende dieses Prozesses muss unweigerlich eine bedarfsgerechte Förderung aller Fanprojekte nach dem NKSS stehen.

Einmal mehr wird deutlich, wie wichtig die Soziale Arbeit mit Fußballfans und die Anliegen der Fans in der Vergangenheit waren, heute sind und auch in der Zukunft bleiben müssen. Unabhängig der Spielklasse des Bezugsvereins der Fans und der Fanprojekte.

 

BAG Sprecher*in
Sophia Gerschel und Christian Keppler


„Immer wieder Dynamo“ – Dokumentation über weibliche Dynamo-Dresden-Fans

Anlässlich des Internationalen Frauentages wird die Dokumuntation „Immer wieder Dynamo“ vom Fanprojekt Dresden veröffentlicht. In diesem knapp einstündigen Film werden elf weibliche Dynamo-Fans im Alter von 19 bis 59 Jahren im Interview-Stil porträtiert. Dabei gewähren sie individuelle Einblicke in ihre Fan-Erlebnisse, stellen ihr vielfältiges Engagement für den Fußballverein SG Dynamo Dresden und seine Fankultur dar und erklären ihre schwarzgelbe Leidenschaft. Auch kritische Anmerkungen fehlen dabei nicht. In einem männlich geprägten Fußballmilieu sind Frauen oft unterrepräsentiert bzw. werden kaum wahrgenommen. Diese Leerstelle möchte der Film „Immer wieder Dynamo“ für den Standort Dresden zu einem Teil schließen.

fanprojekt-dresden.de/filmpremiere


BAG der Fanprojekte zum Abschlussbericht der DFL „Task Force Zukunft Profifußball“

Am Mittwoch, den 3. Februar 2021, hat die DFL den Abschlussbericht der „Task Force Zukunft Profifußball“ vorgestellt. Die Einrichtung dieser Task Force erfolgte als Reaktion auf die Aktivitäten verschiedener Fanorganisationen. „Der grundsätzliche Gedanke, Wünsche und Anregungen von Fans ernst zu nehmen und sogar eigens eine Task Force für einen Austausch zur Zukunft des Profifußballs einzurichten, vermittelte Hoffnung in Bezug auf Veränderungen im Fußball im Sinne der Zuschauer*innen und Fans“, so Sophia Gerschel, die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG). Schließlich hatten mehrere Teilnehmer*innen aus Fankreisen diesen Prozess maßgeblich vorangetrieben und mit Inhalten gefüllt. Umso erstaunlicher ist es aus unserer Sicht, dass im Rahmen der PK an die Niederlagenkompetenz der Teilnehmer*innen appelliert wurde. „Die von den Fans investierte Zeit, Nerven und Arbeit in Projekte ist Wertzuschätzen, und nicht durch unglückliche Formulierungen abzumildern,“ so die 35jährige Fansozialarbeiterin. Es gelte, den nicht zu unterschätzenden Beitrag der Fans und Fanszenen stärker hervorzuheben.

Die von allen Seiten gelobten konstruktiven Diskussionsbeiträge und thematischen Auseinandersetzungen innerhalb der Task Force machen deutlich, dass dieser Abschlussbericht allenfalls ein Zwischenfazit sein kann und keineswegs alle Themen nennen kann, die in den Runden der Task Force angesprochen wurden.

„Es gilt nun, was Herr Seifert in der Pressekonferenz formuliert hat: der Fußball wird gemessen an der Umsetzung des angestoßenen Prozesses und den daraus resultierenden Reformen“, so Gerschel weiter und begrüßt die von der DFL formulierte Fortführung des Prozesses.



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